Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 28.1903

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DER ARCHAISCHE FRIEDHOF AM STADTBERGE VON THERA 65
jonische Schale (G II B); um die Leiche hinein zu thun, hat man
die Schulter halb abgebrochen, wobei einige Scherben verloren
wurden, die wegen einer vor dem Brennen eingeschnittenen In-
schrift wichtig gewesen wären ; dann setzte man den Oberteil
wieder darauf. Unterhalb dieser Urne weiter hinten lag die kreti-
sche Amphora C 24 a mit der Mündung nach Süden zerdrückt
auf der Seite ; in der sie füllenden Erde war wieder die gewalt-
sam zusammengepresste Leiche eines kleinen Kindes kenntlich.—
Vor dieser Packung lag eine rückwärts und seitlich flach in den
Schiefer geschnittene längliche Opfergrube, deren vorderer Ab-
schluss nach Resten an der Nordseite gemauert war; sie enthielt
eine sich nach vorn verlierende dünne Aschenschicht mit einigen
Scherben kleiner Gefässe, darunter die des rhodischen Skyphos
D 6.—Zwischen dem hinteren Teil dieser Grube und dem abge-
schnittenen Schiefer stand zerdrückt in einer Steinpackung, die
auch Scherben einer theräischen Amphora enthielt, die kreti-
sche Amphora C 24; darin waren Erde und unverbrannte Kinder-
knochen. Auf der Packung und nördlich davon auf Schutt über
dem hinteren Teil der Opfergrube lag eine Aschenschicht mit
Knochen von Kleinvieh und vom Kaninchen sowie einigen Scher-
ben kleiner Gefässe.
Das Verhältnis der Beisetzungen und der Opfergrube zu einan-
der kann nur mit Wahrscheinlichkeit bestimmt werden. Die wei-
ter zurück liegende grosse Packung ist älter als die Einzelbei-
setzung davor; sie ist einheitlich gebaut und es kann sich nur
fragen, ob die unterste Urne vielleicht älter und unter teilweiser
Entfernung ihrer Packung hineinbezogen ist; doch sind auch
drei gleichzeitige Todesfälle kleiner Kinder in einer Familie
denkbar. Hierzu wird die Opfergrube gehören ; vielleicht stammt
die dünne Aschenschicht in dem Packungsbau nicht von einem
dort verbrannten Opfer, sondern ist der Grube entnommen. Das
verschüttete Grab wurde für die vierte Beisetzung wieder geöff-
net; auf ihr und auf dem die Opfergrube bedeckenden Schutt
verbrannte man ein Totenopfer. Ob noch eine der benachbarten
Opfergruben zugehört, ist nicht auszumachen.
Opfer grübe 72 (93a). Südwestlich neben dem Grabe 71
liegt eine rechteckige Opfergrube, die hinten in den Fels ge-

ATHEN. MITTEILUNGEN XXVIII.

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