Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 28.1903

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ERNST PFUHL

Unter den hals losen Amphoren scheiden sich zwei, die
auch in der Verzierung über die anderen hinausgehen, von jenen
der Form nach dadurch, dass sie nur einfache Henkel von run-
dem Querschnitt besitzen (49 und 50, Beil. VII 5 und Abb. 22).
Bei Abb. 22 ist auch der Übergang von der Schulter zum Rande
ungewöhnlich. Zu den einfach verzierten Amphore n
mit leeren Schulterfeldern und Bandhenkeln sind neu die klei-
nen Gefässe 53 — 56 (Beil. VII 6) hinzugekommen. Ferner er-
scheint zum ersten Mal ein sicher theräischer Amphoriskos
dieser Form (Abb. 23).
Die beiden ersten der als P y x i d e s bezeichneten Gefässe
(Beil. VIII 1,2) stellen keine selbständige Form dar, sondern sind
nur eine besondere Gattung der kleinen halslosen Amphoren.
Anderwärts, wie in Kreta, giebt es auch grosse Gefässe, die
statt des Mündungsrandes einen Falz zur Aufnahme des Deckels
besitzen. Ein solcher Pithos mit Deckel von gleicher Form wie
58 (Beil. VIII 1) bei Wide, Arch. Jahrb. 1899 S. 37, Abb. 15.
Dagegen bietet 60 eine selbständige, für Thera neue Form. Sie
ist dem Dipylonstil höchst wahrscheinlich unmittelbar entlehnt;
ein solches Dipylongefäss ist denn auch gefunden worden (Beil.
XXV 3). Über den Namen dieses Gefässes, das in Attika von den
kleinsten Büchsen an in allen Grössen vorkommt, kann man
schwanken; Stücke von der Grösse des theräischen nennt man
wohl besser Kypsele als Pyxis. Indessen hat das Gefäss schwer-
lich immer nur als Büchse bezw. Truhe gedient. Die einfachste
Form der runden Büchse schliesslich bietet 61. Die leicht nach
aussen geneigten Wände mit den kleinen Henkeln verlangen
einen flachen Deckel ungefähr wie 193 (Beil. XIV 6).
Kannen verschiedener Form haben sich zahlreich gefunden.
Schon Dragendorff besass je einen Vertreter der beiden Haupt-
gattungen, erkannte die Herkunft jedoch nicht, da die Gefässe
weder Bruchflächen noch bezeichnende Zierformen boten. Die
grossen Kannen scheiden sich in zwei feststehende und einen
dritten leicht schwankenden Typus, alle ursprünglich einfach:
von bauchigem Rumpfe setzt sich ein weiter, ungefähr cylindri-
scher oder ein enger trichterförmiger Hals ab, oder endlich, ein
mehr oder minder bauchiger Körper endet in eine kleeblattför-
mige Mündung. Die erste, im Grunde einfachste Form ist schon
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