Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 28.1903

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DER ARCHAISCHE FRIEDHOF AM STADTBERGE VON THERA 201
Kindergräber zu betrachten, ob sie nun Knochenreste enthielten
oder nicht1. Bis zu welchem Alter man die Kinder unverbrannt
beisetzte, kann den Umständen nach nur annähernd bestimmt wer-
den. Das grösste Gerippe, bei dem allein Reste des Schmuckes
erhalten waren, gehörte einem eben zweijährigen Mädchen an (io,
ii); über das dritte Jahr hinauf ist man sicherlich nicht gegan-
gen. Das entspricht dem noch jetzt in Griechenland herrschen-
den Begriffe des μωρόν, dem gegenüber der in Europa beliebte
Abschnitt nach der Ernährungsweise—Säuglingsalter—durchaus
zurücktritt. Bezeichnend dafür ist auch die Beigabe eines Lamm-
bratens bei Grab 17; denn wenn man den Kindern auch Opfer
verbrannte, die sie im Leben nicht hätten gemessen können —
einen regelrechten Braten würde man einem Säugling schtverlich
mitgegeben haben. Unsicher bleibt, ob man auch Foeti auf dem
Friedhöfe begraben hat. Aus der Kleinheit einiger Urnen kann
man das nicht ohne Weiteres schliessen ; denn zur Not liess sich
auch in die kleinsten die Leiche eines neugeborenen Kindes
hineinzwängen.
Dass man die Kinder bekleidet beisetzte, ist wenigstens
in zwei Fällen sicher: bei dem kleinen Mädchen in Grab 10 fan-
den sich Reste des Schmuckes aus Bernstein und Glas, und die
Fibel in dem Pithos 85 kann nur das Gewand geheftet haben.
Das Totenhemdchen wird höchstens Neugeborenen gelegentlich
vorenthalten worden sein.—Als Urne dienten wieder Thonge-
fässe verschiedener Art von dem für grössere Kinder erforderten
Pithos bis zum Kochtopfe herab. Bisweilen nahm man auch Am-
phoren, deren Mündung die Leiche nicht hindurch liess. Man
schlug dann den Oberteil ab und setzte ihn nachträglich wieder
auf, so gut es ging; in zwei Fällen hat man die Schulter halb
herum mit einem Messer durchschnitten (71,2; 113,3)2 *.—Während
Erwachsene und grössere Kinder nie einzeln beigesetzt wurden,

1 Hiernach darf man die von Böhlau Nekropolen S. 24 mangels jeder Kno-
chenfunde offen gelassene Frage, ob die einzeln vergrabenen Amphoren in Samos
Beigaben oder Kindergräber wie in Megara Hyblaea gewesen seien, in letzterem
Sinne entscheiden. Bezeichnend ist auch das zur Bergung der Leiche gelegentlich
erforderte Abschlagen .des Oberteiles, das ebenso in Thera begegnet (s. u.).
2 Im Ausgrabungsbericht auf S. 65 Z. 2 sind vor 'halb abgebrochen5 die Worte
'halb angeschnitten’ ausgefallen, '. . -
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