Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 28.1903

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DAS SCHLACHTFELD VON CHÄRONEA

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tet hätte 1, von Gräbern aus der Zeit dieser Schlacht. Da das
Land fleissig angebaut wird und von unzähligen kleineren
und grösseren Bewässerungskanälen durchzogen ist, so würden
solche Spuren, wenn sie vorhanden wären, der Beobachtung
schwerlich entgangen sein. Andrerseits wird durch die Tatsa-
che, dass der äusserste Rand der genau begrenzten prähistori-
schen Anschüttung überall mit dem Niveau der umliegenden
Felder zusammenfällt, zur Genüge bewiesen, dass hier seit alten
Zeiten trotz des nahe fliessenden Kephisos durch keine bedeu-
tende Anschwemmung der Boden eine wesentliche Veränderung
erlitten hat2. Man dürfte also auch nicht etwa annehmen, dass
Reste antiker Denkmäler mehr oder weniger tief im Boden
verborgen liegen. Die Richtigkeit dieser Beobachtung wird zu-
dem dadurch erhärtet, dass überall in der Ebene die Ruinen
kleiner Grabdenkmäler oder Heiligtümer an kleinen Erderhö-
hungen, Ziegeln und behauenen Steinen kenntlich sind. Eine
gänzliche Verwüstung, sodass alle antike Überreste aus dem
Boden verschwunden wären, ist hier nirgends eingetreten.
Eine ganz andere Bedeutung haben für uns die am grossen
Erdhügel gemachten Beobachtungen. Dieser erwies sich als ein
Denkmal des vierten vorchristlichen Jahrhunderts, welches auf
den Überresten der auf einem gewaltigen Scheiterhaufen ver-
brannten Toten errichtet wurde. Und wie der gesammte Vasen-
befund auf die Zeit um 338 herum, so wiesen die in den Resten
des Scheiterhaufens aufgelesenen zahlreichen Waffenstücke,
wie Lanzenspitzen, Schwerter und Messer, auf ein bedeutendes
Kriegsereignis als Anlass für die Errichtung des Denkmals.
Kein anderes Kriegsereignis aber, welches in dieser Gegend
sich zugetragen hätte, kennt die Geschichte des vierten Jahr-
hunderts, als eben die Schlacht von Chäronea. Und da eine

1 J. Kromayer a. a. 0. S. 161 ff.
2 Das Niveau der Ebene hat sich gehoben nur in ihrem südlichen Teil, in
welchen sich die Winterbäche ergiessen, die von den Seitentälchen der chärone-
ischen Hügelkette zwischen dem felsigen Grundstock des Thurion und der Stadt
Chäronea herunterfliessen. So ist der Boden an dem Polyandrion der Thebaner
seit dem Altertum um 2 m gewachsen. Die ganze heute baumlose Hügelkette
besteht aus Erde und Thonschieferlagern, während die Berge Hedylion und
Akontion ganz felsig sind.
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