Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 28.1903

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DAS SCHLACHTFELD VON CHÄRONEA

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aber klaren Berichten des Diodor, Polyän und Frontin. Unsere
Quellen sind nicht mittelmässig; mehr brauchten sie nicht zu
sagen, als sie uns erzählen und die ursprünglichen Berichte, die
Diodor und Polyän ausschrieben, sind zweifellos sehr sachge-
mäss gewesen. Die Vorgänge waren so einfach wie möglich,
vielleicht lange nicht so kompliziert wie z. B. in der Schlacht
von Mantinea im Jahre 362, und sie waren von den Makedo-
nen von vornherein mit überlegenem Feldherrntalent berechnet.
Während Philipp gegen die Athener manövrierte und ihre Kraft
durch taktische Bewegungen lähmte, um sie dann durch seine
handfesteren und besser geschulten Soldaten um so leichter
niederzuwerfen, gab er seinem Sohn Alexander Zeit, durch den
linken Flügel, wo die bedeutendste makedonische Macht sich
konzentrierte h die tapferen Thebaner niederzuwerfen. Das war
Alles, und Diodor hat es offenbar seiner Quelle getreulich
nacherzählt: «Da aber Alexander seinem Vater seine Tapfer-
keit zeigen und es sich von Niemand zuvortun lassen wollte,
und da zugleich viele tapfere Männer mit ihm waren, so durch-
brach er zuerst die feindliche Schlachtlinie, warf viele Gegner
zu Boden und kämpfte, was ihm gegenüberstand, nieder. Da
nun die Abteilungen neben ihm es ebenso machten, so wurde
die ganze Schlachtlinie allmählig aufgerollt (άεΐ παρερρήγνυτο),
viele Toten häuften sich auf, und so schlug Alexanders Flü-
gel zuerst die Feinde in die Flucht».
Das siegestrunkene makedonische Heer, dessen Werk an die-
sem grossen Tage die ruhmvollsten griechischen Taten der ver-
gangenen Zeit überglänzte, errichtete nach altem nationalem
Brauch keine vergängliche Trophäe auf dem Schlachtfelde 1 2 ;
es veranstaltete nur eine um so glanzvollere Feier bei der
Bestattung seiner Toten an der Stelle, wo sie gefallen wären,
und errichtete für sie ein unvergängliches Grabmal. Mehrere
Tage später gönnte der stolze Sieger auch den unglücklichen
Besiegten den Trost, ihre Toten in die Erde zu bergen. Für
die athenischen Toten sorgte er aus politischen Rücksichten in
grossherziger Weise selbst: wo die anderen Griechen ihre An-

1 Diodor XVI 80 : πολλών αύτφ συναγωνιζομενών ανδρών αγαθών.
2 Pausan. IX 40, 4·
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