Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 28.1903

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W. DÖRPFELD

stehende Oberwand gefunden ist, die aus mehreren schmalen
Pfeilern mit grossen Öffnungen dazwischen besteht, dürfen wir
diese Anordnung vermutungsweise auch für die anderen Theater
annehmen. Für Oropos wird sie zudem direkt bestätigt, einer-
seits durch die auffallende Länge der Architravsteine und
andererseits durch die Erwähnung von θυρώματα in der Inschrift
dieses Architravs. Denn wie in der Proskenion-Inschrift des-
selben Theaters neben dem steinernen Proskenion die hölzernen
Pinakes als Verschluss der Säulenzwischenräume genannt sind,
so werden die in der Skene-Inschrift neben der steinernen Skene
erwähnten Thyromata den hölzernen Verschluss jener grossen
Öffnungen gebildet haben. Ich hätte mich also (a. a. 0. S. 108)
nicht für πάροδοι=θυρώματα entscheiden sollen. Die Zahl der
grossen Öffnungen betrug in Oropos wegen des Fugenschnittes
des Architravs fünf, von wahrscheinlich 1,50—2,50 m Breite;
in Ephesos waren sicher sieben vorhanden, je 3,50—4,50 m
weit, zwischen Pfeilern von nur 1,50 m Breite. Eine solche
Zerlegung der Wand in schmale Pfeiler und grosse Öffnungen
erleichterte, wie schon hier bemerkt werden mag, die Anbringung
der ανω σκηναί, nämlich die Ausstattung der Oberwand mit
verschiedenen Dekorationen (z. B. als Obergeschoss eines Wohn-
hauses oder auch als Wohnung der Götter), weil Türen fast
überall und in beliebiger Grösse angenommen werden konnten.
Ausserdem waren die grossen Holzflächen, ebenso wie die Holz-
tafeln der Pinakes für die Akustik des Theaters von sehr grosser
Bedeutung.
Über dem durch die Ruinen gesicherten Obergeschoss noch
ein drittes Stockwerk anzunehmen, wie es Puchstein tut, haben
wir nach den Ruinen kein Recht. Weder sind zugehörige Steine
gefunden worden, noch gestattet die Bauart und die Dicke der
Skenenwände in manchen Theatergebäuden einen solchen Auf-
bau; die erhaltenen Mauern des Untergeschosses würden dicker
sein, wenn sie noch zwei Stockwerke getragen hätten. Der beste
Beweis hierfür ist die Tatsache, dass in denjenigen Theatern,
in denen in römischer Zeit ein drittes Stockwerk erbaut worden
ist (so z. B. in Athen, Priene und Ephesos), jedesmal eine be-
trächtliche Verstärkung der Untermauern und ihrer Fundamente
stattgefunden hat.
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