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W. DÖRPFELD

für die Geschichte, der andere für die Anordnung und Erklä-
rung des Baues von Wichtigkeit ist.
1. Es war schon bekannt, dass die westliche Tempelwancl
im Altertum eine Erneuerung erfahren hatte; an Stelle vier
voller Säulen waren in späterer Zeit vier Halbsäulen getreten
und zwischen ihnen hatte man drei Fenster angeordnet. Ebenso
war schon festgestellt, dass an der grossen Nordtür des Tem-
pels eine Erneuerung des Türsturzes stattgefunden hatte. Jetzt
hat Herr Balanos erkannt, dass diese antike Reparatur sich
auch auf die nördliche Vorhalle erstreckt hat; ihr mittelster
Deckbalken und auch ein Stück des Gebälkes ihrer Nordseite
ist damals erneuert worden. Vermutlich war durch den Bruch
des alten Türsturzes auch der darüberliegende Teil der Decke
der Vorhalle in Mitleidenschaft gezogen worden. Die Zeit der
Reparatur der westlichen Tempelwand ist durch die schlechte
Arbeit, durch die Form der Dübel (mit Gusskanälen), durch
späte Versatzmarken und durch den Umstand, dass eines der
alten Geisonstücke im Fundament des Roma-Tempels verbaut
war, soweit gesichert, dass die Erneuerung unmöglich mit dem
Brande des alten Athena-Tempels vom Jahre 406 in Zusammen-
hang gebracht werden darf; sie muss vielmehr in frührömi-
sohe Zeit gesetzt werden. Vielleicht hat der Architekt des Tem-
pels der Roma und des Augustus, der für seinen Neubau be-
kanntlich die Architektur des Erechtheion copiert hat, selbst
die Reparaturarbeiten des Erechtheion geleitet.
2. Während das Dreizackmal des Poseidon früher zuweilen
im Inneren des Tempels gesucht wurde, hatte man sich seit
Jahren darüber geeinigt, dass es in drei unter der Nordhalle
des Tempels vorhandenen Felslöchern zu erkennen ist und
durch ein im Fussboden befindliches Loch, über dem ein Puteal
anzunehmen ist, gesehen werden konnte. Neuerdings hat aber
Μ. P. Nilsson (.Journal of hell. stud. 1901, 325) diese Ansicht
zu widerlegen gesucht und ein neues Dreizackmal im Innern
der Westcella zu erkennen geglaubt. Weder dieses Mal selbst,
noch die längeren Ausführungen Nilssons haben mich über-
zeugen können. Das vermeintliche neue Dreizackmal ist so
schlecht sichtbar, dass es nur schwer wiederzufinden ist. Die
Beweisführung aber geht von so vielen zweifelhaften oder
 
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