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ZUM ERECHTHEION 4^7
sogar unrichtigen Voraussetzungen aus, dass sie nicht zu über-
zeugen vermag.
Herr Balanos hat jetzt bei den Arbeiten an der Decke der
Nordhalle eine bisher unbekannte Einrichtung gefunden, die
gegen Nilsson und für die bisherige Ansicht entscheidet. Er
hat erkannt, dass über dem im Fussboden der Nordhalle erkenn-
baren Loche auch in der Decke eine Öffnung war, soclass die
bisher als Dreizackmal erkannten drei Felslöcher unter freiem
Himmel lagen. In der Decke fehlt zwischen den grossen Balken
eine Kassettenplatte und ist auch sicher niemals vorhanden
gewesen. Um die so gebildete Öffnung von 0,87 zu 0,97 m
Weite standen vier zum Teil noch jetzt vorhandene Marmor-
platten, die bis zum schrägen Dache reichten und den Dach-
raum rings um das Loch herum abschlossen. Es war also über
dem Dreizackmal ein durch Decke und Dach reichender Licht-
schacht vorhanden, unzweifelhaft, damit das Mal Poseidons
nicht mit einem Dache überdeckt war, sondern εν ύπαιθρα)
oder sub divo lag.
Ähnliche Einrichtungen sind uns aus der Litteratur bekannt.
So wissen wir aus Varro (L. L. V 66), dass der Tempel des
Fidius ein perforatum tectum hatte, weil dieser Gott nur unter
freiem Himmel verehrt werden durfte. Aus Ovid {Fast II 671)
und aus Servius (Aen. IX 448) erfahren wir weiter, dass im
Tempel des Jupiter Capitolinus und zwar in seiner Vorhalle
ein exiguum foramen, ein kleines Loch, im Dache oberhalb
eines Terminus-Steines vorhanden war (vgl. auch Festus : Ter-
minus quo loco oolebatur, super eum foramen patebat in tecto,
quod nefas esse putarent Terminum intra tectum consistere).
Wie uns weiter Vitruv (I 2, 5) berichtet, dass die Tempel des
Jupiter Fulgur, des Caelum, des Sol und der Luna unter freiem
Himmel, also als Hypäthraltempel, gebaut werden mussten,
so hat man aus anderen Nachrichten mit Recht geschlossen,
dass alle Blitzmale nicht überdeckt werden dürften (vgl. C. Böt-
ticher Der Hypäthraltempel S. 39 73). Die Stelle, welche Zeus
mit seinem Blitze getroffen hatte, wurde mit einem Puteal um-
geben und blieb unter freiem Himmel.
Wenn nun im Dache der Vorhalle des Erechtheion ein exi-
guum foramen nachgewiesen ist, und wenn darunter im Fuss-

ATHEN. MITTEILUNGEN XXVIII.

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