Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 28.1903

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FUNDE

der Stadtlage fortgesetzt und für den beabsichtigten ausführli-
chen Plan neue Einzelheiten gewonnen. Am kleinen Hafen wurde
ein in den Fels gehauener Eingang zu einem Schiffshause —
ähnlich dem 1901 gefundenen — entdeckt. Die Stadtmauern
wurden an mehreren Stellen freigelegt. Dabei fand sich eine
Bildbasis mit Weihung an "Αορροδίτη Πόντια. Auch Hausruinen
wurden mehrfach untersucht; in einem aus drei Räumen beste-
henden Hause fand sich ein längliches tönernes Becken und
dabei ein Pfeiler, in welchen einst ein daneben gefundenes klei-
nes rechteckiges Reliefbild eingelassen war : eine Frau, welche)
mit der Rechten auf eine Säule gestützt, ein Kind auf dem lin-
ken Arme trägt; ihr zu Füssen ein Vogel, vermutlich eine Ente·
Das Relief, wahrscheinlich hellenistischer Zeit angehörig, ist sehr
flüchtig gearbeitet. Mit Recht macht Herr Stais darauf aufmerk-
sam, dass, wenn wirklich eine Göttin (Kurotrophos ?) dargestellt
ist, worauf die Art der Aufstellung hinweist, damit ein Beispiel
für häuslichen Kult gegeben sei, wie es gleichartig noch nicht
beobachtet wurde.
Im Amphiareion bei Oropos sind durch Herrn B. Leonar-
dos die für lange Zeit unterbrochenen Grabungen wieder aufge-
nommen worden. Freigelegt ist ein grosser Teil des κοΐλον im
Theater, dessen Abwässerungsanlagen dabei nachgegangen wurde.
Hier wurde auch ein hübscher Einzelfund gemacht: eine gol-
dene, an beiden Enden mit gehörntem Löwenkopf abgeschlos-
sene Kette. Auf der anderen Seite des Baches wurde eine
Gruppe von vier Gebäuden verschiedener Zeit aufgedeckt; zwei
Zimmer darin haben Mosaikfussböden. Es sind nach Herrn Leo-
nardos 3 wahrscheinlicher Annahme Häuser, welche den Festbe-
suchern zur Herberge dienten. Hier kam eine Urkundenstele des
III. Jahrh. zu Tage, die Ernennung des Megareers Καλλίνους zum
πρόξενος der Oropier.
Im isthmis’chen Heiligtum hat Herr B. Stais eine kurze
Versuchsgrabung gemacht. Die Untersuchungen, welche dort
vor 20 Jahren Monceaux vornahm (Gazette Arch. 1884 S. 273 ff.
354 ff.) hatten ein völlig negatives Ergebnis gehabt und zu dem
Urteil geführt, dass dort eine ungewöhnlich gründliche Zerstö-
rung aller antiken Reste stattgehabt habe. Herr Stais hat dies
vollkommen bestätigt gefunden. Trotz zahlreicher Gräben und
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