Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 28.1903

Page: 478
DOI issue: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/am1903/0498
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
478

FUNDE

Fragmente von verschiedenen Marmorsorten haben sich gefun-
den, zum Teil noch in situ an den Wänden und auf dem Boden.
Im Gymnasion wurde der aus griechischer Zeit stammende
überwölbte Zugang zur mittleren Terrasse und diese Terrasse
selbst aufgedeckt. Ein langer freier Platz, der offenbar für die
Übungen der Jünglinge diente, war von Säulenhallen, Exedren
und Zimmern verschiedener Form eingefasst; ein an seinem
östlichen Ende liegender, sehr zerstörter Tempel war schon im
vorigen Jahre gefunden worden. Die obere, grösste Terrasse des
Gymnasions soll im nächsten Jahre in Angriff genommen werden.
Unter den zahlreichen Einzelfunden, Inschriften, Terrakotten
und Skulpturen, verdienen schon hier genannt zu werden: ein
Eries mit Theatermasken und Epheuranken und eine wertvolle
Herme. Von dem aus dem Gymnasion stammenden Friese sind
bisher 4 Masken gefunden worden, drei tragische und eine komi-
sche. Die überlebensgrosse Herme ist bis auf den Unterteil des
Schaftes fast unversehrt erhalten und stellt einen bärtigen Her-
mes dar, dessen ausdrucksvolles Gesicht von drei Reihen klei-
ner gedrehter Löckchen und von leicht gewellten, auf die Schul-
tern fallenden Haarsträhnen eingerahmt wird. Wir besitzen in
der Herme die vorzügliche Copie eines berühmten Werkes des
Alkamenes, denn die Inschrift auf dem Schafte lautet:
Ειδήσεις ΤΥλκαμένεος | περικαλλές άγαλμα]
Έρμάν τον προ πυλών | εισατο Περγάμιος. |
darunter : γνώθι σαυτόν.
Die jetzt in das Museum von Konstantinopel geschaffte Herme
wurde in einem der Magazine an der Strasse oberhalb der Agora
gefunden und stammt wahrscheinlich von einer oberhalb dieser
Magazine gelegenen, noch nicht ausgegrabenen Terrasse, deren
Freilegung erst im nächsten Herbste erfolgen wird.
Neben diesen vom Institut geleiteten Arbeiten haben die König-
lichen Museen in Berlin die Untersuchung und Aufnahme des
grossen Altars durch Herrn Baumeister Schrammen fortsetzen
lassen. Dieser hat in der Dezember - Sitzung der Archäologi-
schen Gesellschaft in Berlin über seine Resultate und die neue
Ergänzung des Altars berichtet.

[W. D.]
loading ...