Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 37.1912

Page: 33
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/am1912/0045
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
ΘΕΟΙ ΕΠΗΚΟΟΙ

33

schon genannt. Ihm verwandt ist jenes merkwürdig die
Gestalt wechselnde Wesen, das bald als Hosios Dikaios, bald
in zwei Personen getrennt als “Οσιος και Δίκαιος erscheint;
auch θεοί δσιοι και δίκαιοι sind bezeugt, und in dem μέγα τό
οσιον einer Inschrift aus Ortygia dürfte nichts anderes vorlie-
gen als die abstracte Formulierung derselben religiösen Idee,
die sonst persönlich gefasst ist1. Wie die Monumente lehren,
die einen Jüngling mit Strahlenkranz, einmal auf dem Vier-
gespann mit Nimbus und Fackel darstellen2, haben wir in
dem verehrten Wesen eine Incarnation des Sonnengottes zu
erkennen, und für ihn passt das Epitheton έπήκοος (59; *60)
so gut wie für Helios, ος πάντ’ έφορά καί πάντ’ έπακούει. Erwäh-
nung verdient, dass sich auch Weihungen υπέρ σωτηρίας κέ
ύγίας (Domaszewski, AEM. VII 1 883, 1 77 Nr. 24; Mordtmann,
AM. X 1885, 1 1; Radet, En Phrygie 147 Nr. X) und υπέρ πάν-
των σωτηρίας (AM. VII 137; X 11) an Hosios Dikaios finden;
also auch darin ist er Helios, der σωτηρία gibt3, verwandt.
Wie die griechische und epliesische Artemis, so trägt auch
die ihr gl eich gesetzte, in Kilikien hoch verehrte Thea Pera-
sia das Beiwort έπήκοος (74). Ferner ist es für den in Phry-
gien heimischen Zeus Bronton einmal aus Phrygien selbst
bezeugt (122), einmal auch aus Rom (46), wohin der Kult
des Bronton (so, ohne Zeus, unsere Inschrift und z. B. IG.
XIV 982) wohl durch phrygische Freigelassene gebracht
wurde. Es ist schwierig, sein Wesen zu bestimmen4; so viel
ist deutlich, dass er Züge himmlischen und chthonischen
Charakters vereinigt. Er steht in Beziehung zum Sonnen-

1 Über Hosios Dikaios vgl. Cumont, Pauly-Wissowa V 564, wo die
ältere Literatur verzeichnet ist; Keil, Oesterreichiscke Jakreshefte XI 1908
Beiblatt 1551; Graf Calice, ebenda 198 f.; Keil - Premerstein, Denkschr. d.
Wiener Akad. LIV 1911, 89 Nr. 180; 96 Nr. 186 und 187. Zu der Erschei-
nung θεός όσιος, όσιοι θεοί, τό όσιον vgl. Pantheus, θεοί Πάνθεοι., τό Παν-
θέων; Hepding, AM. XXXV 1910, 454.
2 Keil, Oest. Jahreshefte a. a. O. Fig. 103 ; Graf Calice a. a. O.
3 Rapp in Roschers Lexikon II 2023; mein Aufsatz in den Hessischen
Blättern für Volkskunde VIII 1909.
4 Cumont, Pauly-Wissowa III 891 1; Körte, AM. XXV 1900, 443;
Gruppe, Griech. Mythol. 1111 A. 3.

ATHENISCHE MITTEILUNGEN XXXVII

3
loading ...