Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 37.1912

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FR. W. V. BISSING

damit nur die ungefähre Stilstufe angegeben werden. Die
Überzeugung, dass ein Werk der Grosskunst zu Grunde
liegt, wird wohl jeder teilen, der den wundervoll herben und
schlichten Charakter des Köpfchens würdigt.
Um mindestens ein Menscheualter jünger, viel alltägli-
cher und reizloser ist das zweite Köpfchen, das mir nur um
seiner nicht häufigen Tracht willen einen Platz neben dem
grossen zu verdienen schien.
3. Hellenistischer Frauen köpf mit eigentümlicher
. Haartracht (Taf. I 3/4).
Der 0,075 m hohe Kopf aus rötlich braunem, etwas gro-
bem Thon, wie er für die Terraeotteu ägyptischer Fabrik
charakteristisch ist, war zum Einsetzen in eine Statuette be-
stimmt. Dabei griff der Rand des Gewandes wahrscheinlich
ziemlich weit am Halse und vielleicht auch hinten über.
Die Frau trägt gescheiteltes Haar, das über der Stirne
in kurzen Strähnen herabfällt, weiter hinten aber sich in
lange Locken teilt, die korkzieherartig gedreht in mehreren
»Stufen übereinander sitzen. Die Lockenenden waren beson-
ders angesetzt und ziemlich sorgfältig modelliert, sie sind
aber bis auf zwei au der rechten Seite abgesprungen, sodass
hinten nur die ganz roh angelegte Fläche geblieben ist. Am
Hals sind ziemlich grob die Hautfalten angegeben.
Das anmutige, aber etwas leere Stück dürfte noch der hel-
lenistischen Zeit angehören. Besonderes Interesse gewinnt es
durch den Vergleich mit der in meinen Denkmälern ägypti-
scher Skulptur zu Taf. 11 2 abgebildeten Granitbüste in Kairo,
die die gleiche Haartracht in ägyptischer Stilisierung aufweist.
München. Friedrich Wilhelm von Bissing.
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