Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 37.1912

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EIN THESSALISCHER GOLD- UND SILBERFUND

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und hatte unter dem Einfluss der Zeit nicht gelitten, wäh-
rend die Aussenfläche einen Oxydüberzug bekommen hat.
Von diesem ist auch die Vergoldung bedeckt, die nur an
einigen Stellen noch zu erkennen ist, besonders da, wo die
Oberfläche von den Bauern angekratzt worden war, um zu
prüfen, ob das ganze Gefäss aus Gold sei.
Wie es scheint, war das Alabastron aus drei Stücken
hergestellt: das eine umfasste den Boden bis zu dem ring-
förmigen Wulst unter den Füssen der Nymphen. Dies be-
weist auch das Fragment vom Boden eines ähnlichen, aber
kleineren Alabastron (Taf. VI 5), das als Teilstück gear-
beitet war *. Das zweite Stück bildete die Darstellung der
Nymphen, wiederum oben mit Rand. Das dritte Stück mit
den Eroten war möglicherweise wieder aus zwei Teilen her-
gestellt, aus der Mündung nebst dem Halse und aus dem Ero-
ten-Chor; doch lässt sich das nicht mit Bestimmtheit sagen.
Diese Stücke wurden mit dem Hammer bearbeitet und
dann die Darstellungen mit Hilfe von Blei gepunzt (neugrie-
chisch χτυπητά), etwa in der Weise, wie es Pernice, 58. Berl.
Winckelmann - Progr. 5 beschreibt. Darauf wurden alle Teile
zu einem Ganzen zusammengelötet. Über die Arbeit im All-
gemeinen sehe man Näheres bei Pernice, Oest. Jahreshefte
VII 1904, 154 ff. VIII 1905, 51 ff. XI 1908, 21 2 ff. Bemerkt
sei, dass auch heute noch in der einheimischen Technik
Griechenlands, besonders in den kleinen Städten, die Metall-
gefässe aus einzelnen Stücken hergestellt sind (sie heissen
dann κομματιαστά), die mit entsprechenden Zapfen zusannnen-
gelötet werden. Die aus einem Stück hergestellten (gewöhn-
lich μονοκόμματα genannt) gelten als wertvollere und schwie-
rigere Arbeit und sind deswegen auch teurer.
Diese Herstellung von Metallreliefs wurde von den Alten
έκτΰπωσις genannt, im Gegensatz zu der έγκόλαψις und den
έγκόλαπτοι ιοτορίαι, zu denen man den Deckel der später zu
behandelnden Pyxis vergleiche.
War das Gefäss fertig getrieben, so wurde es kunstvoll

1 [Ein ähnliches Stück bei Rubensolin, Hellenistisches Silbergerät in
Gipsabgüssen Taf. VII 20].
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