Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 37.1912

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A. S. ΑΚ.νΑΝΙΊΌΡυΐΛ.03

Knöcheln; sein Ende ist über den rechten Arm geworfen und
lässt Rücken und Glutaeen nackt. Auch am Himation sind
Spuren von Vergoldung erhalten. Am Gelenk der linken
Hand trägt die Frau wiederum ein Armband. Ihr mit einem
Bande aufgebundenes Haar ist ähnlich wie bei der ersten
Frau um die Stirn angeordnet, doch fallen keine Flechten
auf den Nacken herab, und der Knoten hinten am Kopfe ist
sehr klein. Auch sind die Züge des Gesichts nicht so schön
wie bei der Sitzenden und ihre Physiognomie ist nicht so
ausdrucksvoll. Vielleicht liegt dies aber auch an der Oxy-
dierung; immerhin scheint jedoch auf ihrem Gesichte ein
ernstes Lächeln zu ruhen.
Sie streckt ihre Hände in ruhiger Haltung aus, indem
sie die linke ein wenig nach der Hüfte des Kindes hin senkt
und die rechte dessen Kopf nähert, als ob sie das Kind
eben erst der Frau hingereicht und die Absicht hätte, sein
Gewand zu ordnen, wobei sie zugleich Acht giebt, dass es
nicht das Gleichgewicht verliere und falle. So pflegen es
sorgsame Ammen zu machen, wenn sie den Müttern ihr
Kind hinreichen.
Hinter ihr steht ein Thyrsos mit vergoldetem Pinien-
zapfen schräg an einen Baumstamm gelehnt. Um die Mitte
des Thyrsos ist eine lange vergoldete Binde gewunden, deren
zwei Schleifen nach beiden Seiten abstehen, während die lan-
gen quastenförmigen Enden herabfallen. Diese letzteren sind
von Gillieron nicht wiedergegeben worden, sind jedoch, wenn
auch nur mit Mühe, erkennbar. Der Stab des Thyrsos ist in
seiner ganzen Länge spiralförmig von einem anderen schma-
len Bande, Strick oder Riemen umwunden. Spuren von Ver-
goldung sind an ihm zwar nicht erhalten, doch dürfte auch
er wie die auf der später zu besprechenden Pyxis vergoldet
gewesen sein.
Über dem Thyrsos ist an einem Aste des Baumes ein
ovales vergoldetes Tympanon aufgehängt, von dem, wie an
modernen Tambourins, eine kleine Quaste herabhängt.
Die beiden Bäume ähneln Steineichen oder Ölbäumen.
Der eine steht hinter der sitzenden Frau, knorrig und von
unregelmässiger Bildung des Stammes, aus dem ein dünner
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