Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 37.1912

Page: 88
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/am1912/0100
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
88

A. S. ARVANITOPULLOS

sicherlich zu ihm gehört. Im Athener Nationalmuseum ist er
leider nicht ganz glücklich, d. h. in zu geringem Abstande,
zusammengefügt worden, sodass man die Höhe des Gefäs-
ses, die jetzt 0,193 m beträgt, um 2-3 cm grösser annehmen
darf, den Deckel mit eingerechnet. Denn es wurde auch der
intacte zugehörige konische Deckel gefunden (H. 8,6, Dm.
10,5, D. 0,1 cm). Er ist augenscheinlich aus zwei Stücken
hergestellt: das obere, das als Griff diente, ist fast kugel-
förmig und zeigt Einschnitte wie bei einer Frucht: es soll
wohl ein Mohnkopf oder Granatapfel sein, obwohl die Ein-
schnitte mehr der Melone gleichen. Dieser Griff war im Feuer
vergoldet; mancherlei Spuren davon sind noch erhalten.
Unter ihm ladet die Wandung aus zu einem ringförmigen
Wulst, und unter diesem zieht sich um den ganzen Deckel
hin eine grosse getriebene Guirlande.
Diese Guirlande ist in ziemlich starkem Relief gearbei-
tet und ahmt wahrscheinlich kostbare Kopfpolster nach l. Sie
ist aus drei solchen Kopfpolstern bestehend gedacht, die an
den oberen Enden dünn und schmal, in der Mitte dick und
breiter und über und über bestickt sind. Auf diesem wie
auf dem vorhergehenden Gefäss sind diese Ornamente aus
freier Hand getrieben, nicht gepunzt. Diese Arbeit wurde
von den Alten im besonderen als εγκόλαψις und derartige
Darstellungen als έγκόλαπτος ιστορία bezeichnet (vgl.
oben S. 77).
Die Guirlande besteht aus Blättern und Früchten der
Myrte, der Pinie, des Epheus, aus Eichenblättern mit Eicheln,
aus Trauben mit Blättern und Ranken, aus allerlei anderen
Blumen, Blättern und Früchten. Alles dies ist im Feuer mit
grosser Kunst und viel Geschmack vergoldet, was natürlich
auf dem Bilde nicht genügend wiedergegeben werden kann.
Die Original - Kopfpolster zeigten gewiss solche Ornamente
in Goldfäden gestickt, wie ja auch heute noch die Mädchen

1 [Es waren vielmehr die gestickten Guirlanden auf Kopfpolstern Nach-
bildugen der wirklichen, mit denen beim Gelage die Klinen bekränzt wur-
den, ebenso wie die Reliefguirlanden an Altären und Monumenten stei-
nerne Surrogate für lebene Blätter- und Blumenketten sind].
loading ...