Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 37.1912

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EIN THESSALISCHER GOLD- UND SILBERFUND

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in Griechenland alle Kunst, Feinheit, Geschmack und Zeit
aufwenden, um zwei möglichst kostbare Kopfkissen zum
Schmuck ihres Brautbetts herzustellen.
Die Guirlanden werden durch zwei spiralförmig sie um-
schlingende breite Bänder zusammengehalten, deren Stoff
man gleichfalls als kostbar voraussetzen darf, und deren
Schleifenenden an den Schläfen dreier Masken befestigt sind.
Die erste, eine Frauenmaske ernsten Ausdrucks, hat den
Mund halb geöffnet; über der Stirn trägt sie ein Band. Das
Haar ist über dem Bande in der Mitte gescheitelt, verteilt
sich wellig und eng anliegend nach beiden Seiten und ist
sehr sorgfältig gekämmt; feine, sehr kunstvoll gravierte
Striche deuten das an. Die Bänder finden zu beiden Seiten
in der Mitte der Guirlande ihren Abschluss.
Links von der Frauenmaske ist die eines Silens dar-
gestellt, um dessen Nacken sich zwei weitere Bänder schlin-
gen, deren eines unterhalb der Maske selbst herabfällt, das
andere von der Mitte der linken Guirlande. Der Sileu ist
bärtig, mit einer Glatze über der runzligen Stirn (avucpa-
λαντίας, wie die Alten sagten). Er hat eine platte, dicke
Nase, grosse abstehende Ohren, einen ziemlich weit geöffne-
ten Mund und einen bösartigen Ausdruck. Die kurzen Haare
und der Bart sind wie bei der ersten Maske durch sehr feine
Striche wiedergegeben. An ihnen besonders lässt sich die
geduldige Arbeit und die grosse Sorgfalt des Graveurs er-
kennen. Über eine ähnliche Maske vergleiche man weiter
unten den Abschnitt VII. Links vom Silen ist ein Bukranion
dargestellt, nur in den Hauptzügen gebildet, die Hörner vom
Schädel durch drei gravierte Striche getrennt. Um seinen
Hals sind zwei kürzere Bänder geschlungen, deren gefranste
Enden, wde bei den beiden Masken, im Winde flattern.
Diese ganze Guirlande, wie sie ähnlich an choregischen
Monumenten und dionysischen Altären vor allem gebräuch-
lich ist, scheint im Allgemeinen nicht ohne Beziehung zu
den Reliefs grosser Bildhauer zu sein, die ihre Kunst beson-
ders in Athen gern den choregischen Monumenten der Tri-
podenstrasse weihten, vor allem Praxiteles und seine Schule,
Kephisodot u. a., die auch Altäre und Ähnliches schufen.
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