Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 37.1912

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VOTIV PIN ΑΧ AUS MYKENAI

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gleichen Miniaturstil in Mykenai selbst in der Wandmale-
rei wieder finden, auf dem Fresko mit den Frauen, die aus
einer Loggia des Palastes einer Festlichkeit zuschauen (AM.
XXXVI 1911, Taf. 9). Gewiss sind beide Malereien von kre-
tischen Meistern oder ihren Schülern ausgeführt, aber in
Mykenai und in mykenischem Aufträge.
Es ist nicht viel Tatsächliches, was die neue Zeichnung
dem alten Bilde hinzufügt, aber genug, um den wesentlichen
Inhalt des dargestellten Vorgangs eindeutig zu bestimmen.
An der mittleren Figur ist über dem Schilde deutlich der
Umriss des Halses erhalten, darüber Reste des nach links
gewandten Gesichtes, dessen Contur jedoch ausgesprungen
ist, sodass die Vorzeichnung zum Vorschein kommt. Erhalten
ist ferner ein Teil des horizontal ausgestreckten rechten
Arms, sowie der vom Ellbogen ab sichtbare linke Arm, des-
sen Biegung ein auf kretisch-mykenisclien Darstellungen
ausserordentlich häufiges Motiv ist. Hals, Kopf und Arme
sind weiss; die Figur ist also weiblich1. Der ganze Rumpf
wird von einem mächtigen Schilde der üblichen Form ver-
deckt, der aus einem weissen, schwarz gefleckten Rindsfell
besteht. Das doppelspitzige mittlere Einsatzstück ist gelb2.
Von den Füssen der Figur ist nichts erhalten.
Die von rechts nahende Frau hat eine gelbe Taille und
einen mit abwechselnd gelben und blauen Volants besetzten
Rock3. Beide Arme sind vorgestreckt, nicht im Gestus der

1 Eine sichere Ausnahme von dieser Regel gibt es nicht; A. Reichels
(Öst. Jahresh. 1908, 252 f.) Zurückhaltung war also unberechtigt. Der ‘Prinz
mit der Federkrone’ ist kein Gemälde, sondern ein Relief, dessen Farbe
überdies nicht weiss, sondern gelbbraun ist (vgl. Tiryns II 78 A. 2).
2 Die obere und untere Spitze ist erhalten.; dadurch erledigen sich Zahns
(Arch. Anz. 1901, 20) Annahmen. Vgl. zu dieser Schildform Tiryns II 38 ff.
s Das Blau hat sich vielfach abgelöst; bei dem zweiten und dritten
Volant von unten ist die Verteilung der Farben nicht ganz klar. — Jolles’
(BPhW. 1912, 598) Skepticismus inbezug auf die Deutung der kretischen
Frauentracht ist gänzlich unbegründet. Das Material und unsere Kenntnis
des kretischen Stils ist völlig ausreichend, um mindestens mit Deonna (in
seiner sonst wenig glücklichen Abhandlung Les toilettes modernes de la Crete
minoenne) A. Reichels Idee (Öst. Jahresh. 1908, 251) eines Zusammenhan-
ges mit babylonischer Tracht abzuweisen. Im übrigen vgl. Tiryns II 76 ff.
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