Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 37.1912

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FR. W. V. BISSING

syrischen Kreis, vertritt hier aber den seltener belegten
nackten, weiblichen Typus. Man vergleiche die ganz über-
einstimmende weibliche Gottheit aus Gezer bei Gressmann,
Altorientalische Bilder Abb. 152; männliche Bronzen der glei-
chen Gattung sind häufiger (Caylus, Sammlung von aegypti-
schen u.s.w. Altertümern Taf. X 1 [Nürnberg 1 766]), aber
meist unveröffentlicht.
Es ist eins der wenigen Zeugnisse für orientalischen
Import1 in Delphi. Ob man auch die Schale Fouilles de Del-
phes Taf. XIX-XX S. 25 ff. dazu rechnen muss, hängt von
der Zuteilung der grossen kretischen Bronzen Museo Ita-
liano II ab. Besonders a. a. O. Taf. II und IV zeigen so nahe
Verwandtschaft, dass man die delphische Schale dem glei-
chen Atelier wird zuweisen müssen. Zu Perdrizets lebendiger
Beschreibung möchte ich nur ein paar Einzelheiten nach-
tragen: die Schale hat am Rand ein sorgfältig angebrachtes
Loch, war also zum Aufhängen an der Wand bestimmt. Das
Wagenrad ist sechsspeichig. Auf dem von der Sphinx gezogenen
Wagen steht ein Lenker nach rechts und ein Bogenschütze
nach links. Nach links folgt ein Bogenschütze mit ägyptisie-
rendem Haar und einem Köcher am Rücken, dann im ägyp-
tischen Schurz der König, mit der hohen Krone, der eine
Leiter heraufsteigt; in der Linken hält er ein Schwert, hin-
ten hängt die Scheide (oder der Königsschwanz?). Die Leiter
führt zu der durch Palissaden (?) geschützten Festung, in
der 4 Bogenschützen mit ägyptisierender Haartracht sich
befinden, 2 nach rechts, 2 nach links. Eine zweite Leiter ist
angelegt, über die einer der Angreifer (?) herabgestürzt ist,
so dass er mit dem Kopf nach unten hängt. Über ihm wird
sein geflochtener Schild sichtbar. Ein Schütze im Schurz
setzt das linke Bein auf seinen Kopf und schiesst gegen die
Verteidiger. Es folgt ein Schütze im langen Gewand, das
wie mit Schuppen besetzt ist, in der Linken hält er Pfeil und
Bogen, in der Rechten eine Axt mit kleiner lialbmondförmi-

1 Ich möchte darauf hinweisen, dass das Giessen der Basiszapfen mit
der Bronzefigur, das ja viele Vorteile bietet, in allen orientalischen Fabri-
ken geübt wurde.
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