Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 37.1912

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276 W. DÖRPFELD. I. DIE BAUWERKE
haben wir Pfeiler einer späten Leitung, ohne dass wir ihren
Anfang und ihr Ziel ermitteln konnten, nordöstlich von der
Burg Atarneus gesehen. Nur wenn es sich um eine beson-
ders grossartige Wasserleitung handelte, ist ihre Erwähnung
bei Strabon erklärlich. Bei unserer Durchforschung der Ge-
gend haben wir ferner Ruinen einer antiken Stadt mit römi-
schen Bädern dicht am Assar-Bogas, etwa 2 km oberhalb
von Atarneus, entdeckt; sie sind zum Teil vom Flusse selbst
zerstört. Ob es sich um die Reste einer altgriechischen oder
erst jüngeren Stadt handelt, wird durch Grabungen leicht
festzustellen sein. Lag hier, wie ich für möglich halte, die
alte Stadt Pitane, so konnte sie, ähnlich wie Korinth, zwei
verschiedene Häfen haben, den einen am offenen Meere bei
Dikeli oder Kabakum, den anderen am inneren Meerbusen.
Dass ein Hafen von Pitane tatsächlich unterhalb von Atar-
neus am Meere gelegen hat, berichtet Skylax (Peripl. 90).
Eine andere, sicher altgriechische Ruinenstätte entdeckten
wir weiter südlich an der Fahrstrasse von Dikeli nach Per-
gamon. Nordwestlich vom Beiram-Tepeh sind dort auf einem
steilen, etwa 200 m hohen Berge die Reste einer kleinen
griechischen Burg erhalten, deren Name unbekannt ist.
Zum Schlüsse möchte ich dem Wunsche und der Hoff-
nung Ausdruck geben, dass weitere Studien und kleinere
Grabungen in der unteren Kafkos-Ebene noch andere an-
tike Reste zu Tage bringen, die es ermöglichen die Lage
von Pitane und der untergegangenen Stadt Atarneus sicher
festzustellen. Dadurch würde zugleich die wichtige Frage
entschieden werden, ob Strabon bei der Beschreibung der
pergamenischen Küste grosse Irrtümer begeht, oder ob das
Gebiet des unteren Kai'kos, wie ich glaube, seit der grie-
chisch-römischen Zeit wesentliche Veränderungen erlitten
hat und in seinem früheren Zustand von dem römischen
Geographen richtig beschrieben wird.

Berlin.

Wilhelm Dörpfeld.
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