Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 37.1912

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S: LOESCHCKE. V. TSCHANDARLI

über liegenden Stellen des Randes1, Abb. 10,10. Ob zu ihnen
die mit starken Reifen versehenen kurzen Tüllengriffe2 3
gehören oder zu einer ganz entsprechenden Form, bei der
aber der Rand des Deckelauflagers entbehrte, während es
bei erstgenannter Form das Üblichere ist, kann ich noch
nicht sagen. Bei dem abgebildeten Stück kann der Griff
ausgebrochen sein, denn die betreffende Stelle ist in Gips
ergänzt. Eine Abbildung eines dieser Tüllengriffe findet
sich bei Dragendorff, Thera Abb. 486. Dass in der rheini-
schen Keramik ein verwandtes kleines Stück im Cölner
Museum8 grünglasiert ist, steht möglicher Weise in Zu-
sammenhang mit den Beziehungen der Cölner Industrie der
mittleren und späteren Kaiserzeit zum Osten, dem Mutter-
lande der Glasur.— Auch die übliche römische Reibschale
mit steinchenbelegtem Innern und nach aussen geboge-
nem Rand fehlt übrigens nicht. — Von Kochnäpfen gibt
Abb. 10, 2 das reconstruierte Fragment eines im Haushalt
zerbrochenen, russgescliwärzten Stückes (Schnitt IV). Da
der Boden gewölbt ist, wurde der Topf wohl mit Hilfe
der beiden ösenartigen Henkel und der Einschnürung un-
ter der Lippe über das Herdfeuer gehängt. Die Lippe
zeigt einen kräftigen Deckelfalz, wie er sich in Germanien
erst seit hadrianischer Zeit findet.— Häufiger sind Schulter-
stücke etwa kugelförmiger Kochtöpfe, die wohl zwei-
fellos vom Ofenabfall herrühren. Neben schön gearbeite-
ten mit sauberer Lippe mit Deckelauflager und elegantem
Horizontalhenkel, der sich gefällig zurückbiegt und unter
die Lippe schmiegt4 (vgl. Typus 42), finden sich Scher-
1 In II, III, IV; bei den älteren Stücken scheint die Handhabe nur in
der Mitte den decorativen Fingereindruck zu haben; ein solches Stück
fand sich 230 cm tief in Schnitt II. Bei einem ungewöhnlich grossen Exem-
plar aus Schnitt V ist die Handhabe noch als wirklicher festanliegender
Griff gebildet, bei dem die beiden Enden an der Gefässwand hinabgezogen
sind. Die Gefässe haben zum Teil im Innern einen schlechten roten Farb-
überzug, wodurch es noch wahrscheinlicher wird, dass sie in Tschandarli
fabriziert sind.
2 In II und vor allem in III und V.
3 Bonner Jahrb. 1 14/115, 358, Fig. 4, e.
4 Vereinzelt in III und VI.
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