Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 50.1925

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MARGARETE BIEBER

denkmals aus Intercisa in Budapest 1. Die Vase zeigt eine
literarisch nicht bezeugte Version. Die Schwestern werden zu
Wagen von ihren Brüdern vor dem verfolgenden berittenen
Tereus gerettet, dem auch Apate entgegen tritt. Dagegen
enspricht das römische Relief (Abb. 1) der Erzählung des Ovid,
Metam. VI, 650 ff., die sich ihrerseits an Sophokles anlehnt.
Auf diesem Denkmal hält Tereus in der linken Hand einen ganz
ähnlichen, kurzen, gebogenen Gegenstand wie auf der Vase.
Robert erklärt ihn als Schwertscheide, wofür er jedoch zu krumm
ist. Die von Dr. Fettich, Assistent am Nationalmuseum in

Abb. 1. Tereusrelief aus Intercisa.

Budapest, freundlichst fiir mich angefertigte Zeichnung (Abb. 2)
zeigt, daß der Gegenstand von der Hand vollständig umfaßt
wird, also diinn ist. Seine abgerundeten Ecken sind nach rechts
(vom Beschauer) etwas bestoßen, aber vollkommen genug
erhalten, um zu beweisen, daß der Gegenstand sehr kurz, also
sicher kein Baumstamm ist. Es scheint mir, daß der Kopf
des Knaben, der in der Luft fliegt, und das Ärmchen, das auf
dem umfallenden Speisetisch liegt, auf den richtigen Weg leiten.
Es ist ein Teil des grausigen Mahles, während dessen Verzehrung
Tereus nach dem Knaben gefragt und die furchtbare Wahrheit

1 Hekler, Öst. Jahresh. XV 1912, 188ff., Abb. 127. Robert, Sarko-
phagreliefs III3, 501, Nr. 424, Taf.CXXXIII. Hier Abb. 1, nach dem Hampel,
Archaeologia ertesitö 1906, 251 Nr. 23 zu Grunde liegenden, von der
Direktion des Nationalmuseums in Budapest gütigst geliehenen Klischee.
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