Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 50.1925

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ZUR BARBARENSTATUE VON HALIKARNASS.

Die lebensgroße Marmorstatue eines Barbaren, die von
Karo in Halikarnaß gefunden und in den AM. XLV 1920, 160
bis 162 Taf. IV veröffentlicht worden war, ist kürzlich von Maiuri
wieder abgebildet und behandelt worden (Annuario IV/V 1921 /22,
271 ff.). Von den stark auseinandergehenden Datierungen, die
vorgeschlagen wurden, scheint mir die von Maiuri, der die
Statue ins IV. Jh. setzt, den Vorzug zu verdienen. Der Stil
des Werkes, wie es auf seiner Photographie erscheint (hier
Abb. 1), dürfte dem Ansatz nicht widersprechen, und andrerseits
läßt sich, wie Maiuri hervorhebt, im verfallenen Halikarnaß der
römischen Zeit ein so stattliches Monument kaum erwarten.
Dann liegt es natiirlich am nächsten, in dem Barbaren eine
etwas sorglos ausgefiihrte dekorative Figur vom Mausoleum
zu sehen.

Es bleibt die Frage, wer der Dargestellte sei. Jedenfalls
kein Gefangener, wie Maiuri wollte, denn gegen seinen Er-
gänzungsversuch sprechen die genauen Beobachtungen Karos
— der Barbar stiitzte mit der Linken einen Gegenstand (viel-
leicht einen Bogen?) auf den linken Oberschenkel —, auch
wäre ein gefangener Perser am Grabe des Satrapen nicht gerade
wahrscheinlich. Den Schliissel zum Verständnis der Figur gibt
uns, glaube ich, ihr eigenartiges Sitzmotiv, trotz seiner Singu-
larität, auf die Karo mit Recht hinwies. Die Geschichte der
griechischen Rundplastik kennt kein anderes Beispiel; der mit
übereinandergeschlagenen Füßen am Boden sitzende Ludovisische
Jiingling 1 läßt sich nur entfernt vergleichen.

Viel ähnlicher ist der auf attischen Nymphenreliefs des
IV. Jhs. mit untergeschlagenen Beinen und aufgerichtetem Ober-
körper dasitzende Pan 2, und mit Pan hängen möglicherweise die

1 Helbig, Führer 3 Nr. 1296. AM. XLI 1916 Taf. XIV.

2 Wäscherrelief vom Ilissos (Berlin, Beschr. d. ant. Skulptur. Nr. 709.

AM. XXXVII 1912, 147 Abb. 4), Nymphenrelief vom Parnes (Svoronos,
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