Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 50.1925

Page: 41
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/am1925/0047
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
ANTIKE BAUTEN AUF MYKONOS

41

quadratischer Stein durch zwei Schichten hindurch. Der Durch-
messer des Baues beträgt 10 m, seine Mauerstärke 1 m. Im
Norden lehnt er sich an einen Felsen an, in den die Lagerflächen
für die anstoßenden Steine eingehauen sind. Wo sich der Ein-
gang befand, ist heute nicht mehr ersichtlich, er wird im Süden
gelegen haben, wo ihn auch Ross vermutete \ Unmittelbar an
den Turm stößt im SO die NW-Ecke eines rechteckigen Hofes,
dessen doppelschalige Mauern aus mittelgroßen Granitpolygonen
bestehen. Die Ostmauer des Hofes läuft bergabwärts weiter
bis zu einem Felsblock, wo sie rechtwinkelig umbiegt, um eine
Terrasse zu stiitzen; im Abstande von 7 m folgt darunter eine
zweite Stiitzmauer. Im Westen wird der von beiden Terrassen
gebildete Raum durch eine Mauer begrenzt, von der nur die
SW-Ecke ganz unberührt erhalten ist. Leider sind die Mauern,
sowie kleinere, die an sie ansetzen, zu sehr zerstört, um Näheres
sagen zu können; auch die Bestimmung von vier mächtigen
Granitbalken (z. T. 2,75 m lang), die auf der oberen Terrasse
liegen, vermag ich nicht anzugeben. Rechteckige Einarbeitungen
trägt eine Quader, die jetzt vor der Kapelle liegt. Die Steine
sind überall sorgfältig aneinandergepaßt, zeigen aber weder
Anathyrose noch Randschlag, Klammerspuren fehlen. Leider
fand sich auch keine Scherbe, die eine genauere Datierung
ermöglichte.

Überhaupt ist es schwierig, die Inseltürme historisch ein-
zureihen, denn einigermaßen datiert ist nur der von Smovolon
auf Tenos, und zwar durch eine Inschrift eines Avöi&eog, der
im III. Jh. auf der Insel eine gewisse Rolle gespielt hat 1 2. Der
Bau von Mykonos ist diesem Turm recht ähnlich, ähnlicher
z. B. als dem nachlässiger gebauten Aspros Pyrgos auf Siphnos,
in dessen untersten Schichten Dragatsis Mykenisches gefunden
hat 3, oder dem großen aus länglichen Quadern bestehenden
Turm von Hagios Petros auf Andros, in dessen Datierung

1 a. a. O. 32.

2 BCH. XXVII 1903, 259 fig. 3. Die Inschriften IG. XII 5, 955, 956
sind zwar beide nicht in situ, stehen aber auf Quadern des Turmes,
so daß das ‘xazeo>teva[oe' sich höchst wahrscheinlich auf diesen bezieht.

3 JIqomt. 1920, 148.
loading ...