Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 50.1925

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VALENTIN MÜLLER

Darstellung des Stieres auf ihnen 1. Da nun, wie bemerkt, die
hethitischen Beispiele sicher älter sind als alle nachminoischen
griechischen, so besteht für mich kein Zweifel, daß hier eine
Abhängigkeit der griechischen Kunst vorliegt; jedenfalls ist die
Form zu eigenartig, als daß man spontane Entstehung an-
nehmen könnte, und eine Abhängigkeit wird um so wahrschein-
licher, wenn die beiden in Betracht kommenden Kunstkreise sich
geographisch berühren und auch sonst Beziehungen zwischen
ihnen festzustellen sind, was hier beides der Fall ist 2. Weiter
möchte ich gegenüber der neuerdings auftretenden Tendenz,
den Anteil der Ionier an der archaischen Kunstentwicklung
herabzudriicken, die Wichtigkeit des Vorkommens der Fliigel-
bildung gerade in Ephesos betonen. Ionien ist offenbar die
Etappe gewesen, von der aus sich das Motiv nach Westen
verbreitet hat.

B.

Als zweites Beispiel fiir meine These wähle ich die Pflanzen-
stengel haltende Göttin auf dem Gefäß Levi Taf. 5 c (hier Abb. 4).
Sie ist in Vorderansicht gegeben; nur die Fiiße sind ins Profil
gestellt. Der Kopf, der in Relieftechnik aufgesetzt war, ist leider
abgesplittert. Die Unterarme sind seitlich abgestreckt und etwas
schräg nach oben gerichtet; es ist die Flächenprojektion von
senkrecht zum Körper vorgestreckten Armen. Die Hände
halten Pflanzenstengel von ganz stilisierter Form. Das Frag-
ment eines Schildes aus der idäischen Grotte (Mus. it. II 1888,
Taf. X Nr. 4 und 704f. mit Abb.) zeigt die gleiche Göttin in
Vorderansicht, jedoch nackt, und die Stengel sind noch natür-
licher gebildet, wie überhaupt die Haltung der Arme etwas
beweglicher ist.

Auch fiir diesen Typus wiirden wir nach Ephesos gewiesen,
falls die von Furtwängler aufgestellte Deutung der geschnittenen
Steine Furtwängler, Gemmen I Taf. 44 Nr. 2, 64 Nr. 80, II 211
auf eine ältere Darstellungsart der ephesischen Artemis richtig
wäre. In den RM. XXXIV 1919, 99 bin ich Furtwängler ge-
folgt. Da die Figur Ähren hält, könnte man annehmen, daß

1 Contenau a. a. O. Taf. II Nr. 6. Ed. Meyer a. a. O. 53f. Abb. 43f.

2 Vgl. vor allem die Zusammenfassung von Picard a. a. O. 554ff.,
580ff.; auch Hogarth, Ionia a. the East.
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