Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 50.1925

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MINOISCHES NACHLEBEN ODER ORIENTALISCHER EINFLUSS 65

gegeben wären, die zurückfliehende Stirn, die mit der Nase
eine gerade Linie bildet, der kurze rundliche Schädel. An ihm
haftet noch ein Stückchen dünnes Goldblech als Belag. Das
Auge ist kreisförmig mit einfachem Strich an der einen und
spitzem Winkel an der anderen Seite zur Andeutung der Lid-
spalte. Vor der Nase befindet sich ein aus kurzen schräg
zusammengesetzten Strichen bestehender Viertelbogen, hinter
dem Kopf ein Stern mit fiinf punktierten Strahlen. Als einzige
Kleidung ist ein Giirtel aus Xförmigen Haken gegeben. Während
die Zeichnung dieses Streifens roh und ungeschickt ist, zeigt
die des anderen (Taf. VI 3 und Abb. 6b) ausgesprochenen Stil.
Erhalten sind zwei Fragmente (Länge zusammen 9,2, Breite
3,5 cm). Urspriinglich war der Streifen zusammengefaltet. Mann
nach links. Das rechte Bein ist vorgesetzt; an den Fiißen
befinden sich Schuhe, doch ist der Fuß durchgezeichnet; iiber
dem linken Knie eine Schleife; in der Taille dicker Wulstgürtel
mit zwei Innenlinien. Es ist nur ein Arm gezeichnet, der in
Gesichtshöhe erhoben ist, am Ansatz eine Linienschleife; die
Hand, deren fiinf Finger fälschlich alle ausgestreckt sind, hält
eine Bliite, die aus Mittelspitze mit zwei abgebogenen Seiten-
blättern besteht. Die Schultern sind beide gezeichnet, aber in
etwas verschiedener Linienfiihrung. Die im Winkel zusammen-
stoßenden Doppelstriche stellen die Schliisselbeine dar; denn
als Andeutung eines Gewandrandes brauchten sie nur einfach
zu sein; außerdem fehlt jeder untere Abschluß eines etwaigen
Gewandes. Der Kopf zeigt wieder die gerade Stirn-Nasenlinie
und den runden kurzen Schädel. Die Nase ist groß, gebogen
und springt weit vor dem kleinen Mund vor; das Kinn geht
wieder vor, ist groß, aber nicht so lang und spitz wie bei der
ersten Figur. Das Auge ist groß und mandelförmig; über ihm
sind die Augenbrauen durch zwei geschwungene, durch Quer-
striche verbundene Linien gegeben. Das Ohr sitzt viel zu tief.
Quer über dem Schädel verläuft, wohl durch Auge und Ohr
zu einem Doppelschwung veranlaßt, eine verbundene Doppel-
linie; senkrecht dazu gehen Wellenlinien iiber den Schädel.
Eher als um Kranz und Andeutung der Haare handelt es sich
wohl um eine Fellkappe mit breiter Krempe.

Nicht nur der Fundort, Kilikien, sondern auch die fast

ATHENISCHE MITTEILUNQEN L 1925. 5
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