Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 50.1925

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FR. W. VON BISSING

Schwieriger als Bedeutung und Zeit ist die Verwendung
der Bronzefigur in alter Zeit zu bestimmen. Man könnte an
einen Kandelaberträger denken, etwa wie die Silene bei Reinach,
Repert. stat. II 50, oder an eine Spiegelstütze, wie sie ähnlich
ja sowohl im alten Ägypten (s. oben) als auch in Griechenland
bekannt sind. Nur scheint mir dagegen einzuwenden, daß die
Figur sich nicht eben leicht mit einer Hand halten oder auch
nur rücken läßt, während das bei griechischen Spiegeln sehr
wohl der Fall ist und ebenso bei allen mir bekannten ägyp-
tischen. Endlich darf man sich noch fragen, ob die Besfigur
etwa der Fuß eines niedrigen Tisches war, eines sogenannten
Nachttisches. Aber selbst wenn man, was durchaus erlaubt
ist, unter die jetzige runde Basis noch eine zweite, breitere
unterschiebt und über der Konsole unter der beweglichen Tisch-
platte noch ein Zwischenstück ergänzt, die Figur also um etwa
6 cm erhöht, bleibt sie auch für antike Begriffe reichlich niedrig,
so daß ich die Verwendung als Kandelaberstütze immer noch für
das wahrscheinlichste halte. Den Gedanken, sie in ein größeres
Ganzes einzufügen, etwa wie die Sphingen in dem bekannten
Dreifuß aus Pompeji (Arch. Jahrb. XXIII 1908, 108 ff.) möchte
ich nicht empfehlen, auch der bekannte z. B. im VIII. Bande
der Antiquites d’Herculanum Taf. 69 abgebildete Tisch scheint
mir kein rechtes Gegenstück.

Utrecht. Fr. W. von Bissing.

mit dem interessanten Übergang der Ohren in die Lockenspirale). Auch
der Ausdruck des Gesichts ist verwandt. Bei Reinach, Repert. Stat. II 566
sind einige der hier besprochenen Besfiguren abgebildet und noch weitere:
zu der Neapler Bronze scheint bei keiner von ihnen eine nähere Be-
ziehung zu bestehen. Nur mag bemerkt werden, daß bei dieser wie
bei Reinach, a. a. O. 566, 5, auf die schon Ippel hinwies, die Hände sehr
hoch am Schenkel aufliegen. Die Form einer Besfigur im Pelizäus-
museum, die der hellenistischen Zeit angehören dürfte, ist von Rubensohn,
Hellenistisches Silbergerät 80 nr. 73, leider so wenig genau beschrieben,
daß man sie in unserem Zusammenhang nicht verwerten kann.
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