Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 50.1925

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KERAMEIKOS - KULTE

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denen Formen, so gewinnen wir auch damit einen weiteren
Beweis für das hohe Alter des Heros und seines Kultus. In
gleiche Richtung führen die Bemerkungen, die Usener (Kl.
Schr. IV 20, 33) über die beiden Namenspaare cExdör]fiog-Äxa-
drjfiog, fsxdßa-'Exdß)] und iiber den zweiten Bestandteil von
Exa-dr]-fiog macht (ebenda 23, 40). Die Gleichung J?]-co, Jrj-
fif]rr]Q (als Gegenbild von Zsvg jiarfjQ und Juppiter) ist jedenfalls
höchst auffällig (vgl. auch Hes. dfi'yrj); das kretische Jf]v, Af]va
wiirde sogar auf sehr alte Zusammenhänge mit kretischem Kult
hinweisen. Diese liegen sicher beim Heros Androgeos vor,
der gleichfalls im Kerameikos einen sehr alten Kult und zwar
epitaphischer Art besaß (iiber ihn habe ich Arch. f. R. W. XXIII
1926, 34ff. 229ff. gehandelt). Sollten auch Useners Erklärungs-
versuche sich nicht bestätigen, der Weg, den er weist, erscheint
mir iiberzeugender als die von Gruppe (Gr. Myth. 590, 3) vorge-
brachten Etymologien anderer Forscher. Wie man nun auch
dariiber denken mag, allein schon die verschiedene Namensform
zeigt, daß wir es hier mit einem Heros zu tun haben, der
zweifellos bereits der vorhellenischen Zeit angehört. Selbst in
der Gegenwart ist sein Name noch nicht erloschen: die Weiter-
dauer des Flurnamens Äyxadrjfua im Munde der Bauern bezeugt
Ludw. Roß, Erinnerungen S. 241; vgl. auch v. Wilamowitz,
Platon I 2 270, 1. Und eine Reminiszenz an die ältere Form
des Namens bedeutet es, wenn der Heros von Dikaiarchos
(Plut. Thes. 32) Exsdrjfiog genannt worden ist.

Seine Person wie sein Kult sind wahrscheinlich seit der
Peisistratidenzeit infolge der Begründung der neuen Kulte an
der Stelle oder in der Nähe seines alten rsfisvog mehr und
mehr zurückgetreten. Ein so alter Heros kann im Laufe der
Zeit hinter der Menge der Götter, die an seinem angestammten
Platze sich einnisten, schließlich auch ganz verschwinden; aber
sein Kult dauert trotzdem noch fort, er erscheint nur in ver-
änderter Gestalt. Man braucht, um ihn wiederzufinden, verein-
zelten Spuren nur nachzugehen und sie mit anderen, zum
Teil längst bekannten Tatsachen zusammenzubringen. Und
hier ist es nichts Geringeres als die Feier der Epitaphien, in
die sein Kult mit übergegangen zu sein scheint. Die an ihr
übliche Lampadedromie ist ja bekannt als Bestandteil des

ATHENISCHE MITTEILUNGEN L 1925. 10
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