Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 50.1925

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LEO WEBER

später ihm in den Tod gefolgt sein! Der Einwurf ist berech-
tigt, aber er widerlegt meine Auffassung nicht. Wir dürfen
doch wohl annehmen, daß später die Gebeine der Beiden, die
in Wirklichkeit zusammen, weil für die gleiche Sache, gestorben
waren, auch zusammengebettet worden sind. Denn woran knüpft
sich die Verehrung eines Heros an, wenn nicht an sein Grab?
Waren beide in besonderem Maße Gegenstand eines Kultes
geworden, wo wird jene volkstümliche Tradition von ihnen
mehr am Platze gewesen sein als an ihrem Grabe im Kera-
meikos? Ist sie die Voraussetzung für die zahlreichen Skolien,
die das Volk von ihnen sang, sowie für die mancherlei anderen
Ehrungen, die man ihnen zuteil werden ließ, so muß ihr Grab-
kult mit ihnen allen zum mindesten gleichzeitig sein. Und faßt
man die an Kallimachos gerichteten Worte des Miltiades als
geschichtlich beglaubigte Tatsache auf, worauf ja auch allge-
meine, die kritische Lage Athens vor der Schlacht erwägende
Gründe führen, so ist zu dem wertvollen Zeugnisse des Thuky-
dides (II 34, 5) ein neuer, in diesem Falle wichtiger Beweis
dafür gewonnen worden, daß schon vor Marathon die für das
Vaterland gefallenen oder sonst besonders verdienten Söhne der
Stadt im öihjögiov orj(ia des Kerameikos bestattet worden sind 1.

Düsseldorf. Leo Weber.

1 Vgl. hierzu meine Ausführungen über Pausanias’ Beschreibung
des Kerameikos-Friedhofes (Rh. Mus. LXXV 1926, 291 ff.).
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