Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 50.1925

Page: 158
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/am1925/0166
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
158

OTTO KERN

Tochter des Perses und der Asterie ist, hat Bedeutung, ist nicht
nur für das kunstreiche Gefüge der Theogonie, in die der
Hymnos eingeschaltet ist, von Wichtigkeit. Denn die Tendenz
der die Hekate feiernden Verse ist klar: die Macht der einer
älteren Epoche der griechischen Religion angehörenden Göttin
soll gefeiert, ihr Anspruch auf fromme Verehrung begründet
werden. Als Zeus der Kronide die Herrschaft übernahm, hat
er diese alte Göttin keiner Ehren beraubt. Sie hat, als die
olympische Religion die Teilung der Welt vornahm, ihre Herr-
schaft überall behalten, auf der Erde, im Himmel und über das
Meer, wie auch noch der Eingangshymnos zu dem orphischen
Gemeindegebetbuch (Orph. Hymn. 1 46) sie ovQavirj yßovb] rs
xai sivaXb] nennt, wie in derselben Sammlung X 14 die Göttin
<Pvöig bezeichnet wird als aifhgb] yjbovb] rs xai sivaXb] fssösovöa.
Auch daß sie die eingeborene Tochter eines Titanenpaars war,
hat ihr nicht geschadet; sondern gerade deshalb hat sie Zeus
noch viel mehr geehrt. Wenn ein Mensch nach dem (heiligen)
Gesetz opfern und beten will, ruft er Hekate an, weil sie eben
überall Gebieterin ist, weil sie für ihre Gläubigen durchaus
keine ‘Sondergöttin’ ist, die nur ein Gewerbe oder einen Stand
schützt. Sie kann Jedem coi ö' sfrsÄsi (Vs. 429) gegenwärtig
und nützlich sein. Es ist wichtig darauf hinzuweisen, daß hier
mehrfach betont wird, daß die förderliche Unterstützung des
Menschen von dem Willen der Gottheit abhängt. So ist das
nicht nur an dieser Stelle ausgesprochen, sondern Vs. 430 sv
t' ayoQ?]i laolot /usTajiQSJisi, Öv x' sfrsX?]i6iv, Vs. 432 nützt sie den
Männern im Kriege olg x' id-sl?]i6i und Vs. 439 den Reitern olg
x' sd-sfo]i6iv. Sie spendet den Fischern reiche Beute; aber sie
kann die eben erlangte auch wieder entreißen frvf/cöi y' ifrsXovöa
(Vs. 446, vgl. Vs. 443) k Von ihrer Gnade hängt alles ab, wie
der fromme Orphiker (Fr. 232) zu Dionysos Lyseus betet:

6v ös TOl6tv sycov xQGTog, ovg x' sd-sfo]i6d-a,
fooöstg sx ts jcovcdv yaXsjccöv xai äjcsiQOVog cuotqov.

1 Mir scheint diese sprachliche Wendung aus alter Hymnenpoesie
zu stammen, aus der sie doch wohl auch die Odyssee x21f. in der Er-
zählung von Aiolos, dem Herrn der Winde, hat:

y.uvov yafj Tauirjv avsfiwv noirjOE Kqoviwv

TjfjLEv rravEfiEvai rd’ OQVvfisv ov v.’ e&ilrjioiv.
loading ...