Ars: časopis Ústavu Dejín Umenia Slovenskej Akadémie Vied — 2.1968

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Zu der Serie dieser aussergewöhnlichen Arbeiten
muss auch das bereits erwähnte Pastell-Auto-
portrait aus dem Jahre 1821 und — mit gewissen
Vorbehalten — auch sein Pendant, das Bildnis der
Gemahlin des Künstlers47 gerechnet werden, welch
letzteres an Kiprenskij’s Portrait der D. N. Chwos-
towowa aus dem Jahre 181448 errinnert. Das kühn
modellierte Haupt, die Silhouette der Büste am
Autoportrait mit seiner eleganten Kurve ergän-
zend, assoziiert uns schon eher, als das jugendliche,
naiv wirkende Gesicht des Autoportraits aus dem
Jahre 1813, die Vorstellung eines erfahrenen,
witzsprühenden Mannes, also wie Rombauer in
einer flüchtig aufgezeichneten Charakteristik von
seinem Mitarbeiter im Institut des Pastors Muralt,
vom bereits erwähnten Jakob Christoph Mi ville49
dargestellt wurde. Das Gesicht verrät Wille und
Energie, der Blick ist der sachliche Blick eines
stets forschenden Malers, für dessen Schaffen
immer die konkrete Realität ausschlaggebend war.
Es ist bemerkenswert, dass es sich bei allen
vier, über den qualitativen Durchschnitt stehen-
den Bildern um Werke handelt, die nicht auf
Bestellung angefertigt, sondern vom Künstler
für sich selbst geschaffen wurden.
Das Jahr 1813, mit welchem das Autoportrait
aus Archangelskoje Selo und das „Bildnis eines
jungen Mannes“ (das letztere in der Ungarischen
Nationalgalerie in Budapest) datiert sind, errinnert
uns an ein ungeklärtes Kapitelchen aus Rombauers
Petersburger Wirkungszeit. Es ist dies das Prob-
lem seiner Beziehung zum Pedagogischen Institut
des Johann von Muralt (1780—1850), eines
Absolventen der theologischen Fakultät in Halle,
später Lehrers an der Pestalozzi-Schule, dér im
Jahre 1810 von der Petersburger evangelisch-
reformierten Kirche auf den freigewordenen Platz
des dortigen Pastors berufen wurde.60 Muralt hat
seine pedagogische Tätigkeit auch in Russland
fortgesetzt. Das von ihm in Petersburg eingerich-
tete Pensionat wurde sehr bald durch das dort
praktizierte neue Erziehungssystem bekannt und
wurde beginnend mit dem Jahre 1812 von der
adeligen Jugend stark kultiviert. Es ist anzuneh-
men, dass Rombauer, der wahrscheinlich zufolge
seines Glaubensbekenntnisses mit Muralt in Ver-
bindung kam, die Aufgabe zufiel, im Pensionat
Zeichen-, bezw. Malerei-Unterricht zu erteilen,
dessen Kenntnis in den damaligen höheren Ge-
sellschaftskreisen zur guten Erziehung gehörte.

Es ist möglich, dass die finanzielle Unabhängigkeit,
die Rombauer aufgrund seiner Tätigkeit imMuralt’-
schen Institut gesichert wurde, ihm in dieser
Periode, also am Höhepunkt seines künstlerischen
Schaffens, die Möglichkeit bot, kühner zu ex-
perimentieren und sich intensiver in künstlerische
Probleme zu vertiefen, als er dies während der
Zeit tun konnte, in der er mit bestellten Arbeiten
überhäuft war.
Natürlich kam aber auch bei einigen Bestellungs-
arbeiten sein ihm eigenes Talent zu Geltung, eine
in Kiprenskij’s Art erstrebende Auffassung des
Intimsten, Privatesten und Erlebten, wie auch
eine geistreiche Aneignung der technischen Mei-
sterung zur Geltung. Es geht grösstenteils um Wer-
ke, die noch mit dem Aufenthalt des Künstlers
in Russland verbunden sind.
Eine anspruchsvollere Betrachtung, deren Vor-
boten schon vor dem Jahre 1813 das Bildnis der
Gräfin Eleonora Iljinskaja, insbesondere jedoch
das Pendant-Bildnis des Generals Litwinow,61
charakterisiert durch eine sichere Modellierung

17. Johann Rombauer: Bildnis einer jungen Frau in
Volkstracht, Oel.


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