Ars: časopis Ústavu Dejín Umenia Slovenskej Akadémie Vied — 4.1970

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Der Erfolg in Hodonín, die Begeisterung über
die Arbeitserfolge in Detva und anderen slowa-
kischen Gebieten (Orava und die Gegend um
Sitno) sowie auch die Vertiefung des ideell-
ästhetischen Programmes, spornten Jaroslav Au-
gusta und Emil Pacovský dazu an, den Versuch
zu unternehmen, eine selbständige Ausstellung
slowakischer Künstler Ungarns zu veranstalten.
Dies geschah dann in der bekannten „Ausstellung
der oberungarischen Maler“ in Zilina (Sillein)
im August 1903. Es stellten aus: Tomáš Andraš-
kovič, Jaroslav Augusta, Gustav Mallý, Emil
Pacovský, und als Gast der silleiner Zeichen-
professor Gustav-Adolf Obendorf.
Jaroslav Augusta, Emil Pacovský und Gustav
Mallý kamen damals in Zilina überein, eine
Ausstellungsvereinigung unter dem Namen „Grup-
pe slowakischer Maler Ungarns“ zu gründen.
So entstand an einem uns unbekannten August-
tage des Jahres 1903 der erste slowakische Verein
in der bildenden Kunst. Unbekannt blieb jedoch
nicht nur der Gründungstag, sondern auch das
Programm des Vereins, denn es. wurden, weder
Protokolle geführt noch Vereinsstatuten aus-
gearbeitet, die man behördlich hätte bestätigen
lassen können. Das ist auch verständlich, denn
ein Verein mit einer so panslawistischen Tendenz,
wie es die Gruppe sein wollte, hätte nie bestätigt
werden können. Es blieb deshalb bei einer münd-
lichen Vereinbarung der drei Gründer, die sich
auch die Funktionen im Verein verteilten: Pa-
covský wurde Präses, Augusta Sekretär und Mallý
Kassier. Dadurch wurde angedeutet, dass sie
die Ausstellungsmöglichkeiten im Verein haupt-
sächlich für sich beanspruchten. Sie hörten zwar
nicht auf, von Zeit zur Zeit auch weitere Künstler
einzuladen, so z. b. Jozef Hanula, Milan Mitrovský
und Karol Lehotský, von diesen sandte seine
Arbeiten jedoch, und auch das mit Schwierigkeiten,
nur Lehotský.
Die Komplikationen, die mit der gesellschaftli-
chen Stellung der Gruppe verbunden waren,
zeigten sich schon bei der ersten Silleiner Ausstel-
lung. Die Stadtverwaltung von Zilina war bereit,
die Ausstellung nur deshalb zu bewilligen, weil
sie in ihr einen möglichen Gewinn sah (sie be-
dingte sich aus, dass der ganze Reingewinn der
Stadt zufalle). Die Aufschriften in der Ausstellung
mussten ungarisch-slowakisch sein, womit sich die
Aussteller nur gezwungenerweise einverstanden

erklärten. Auch den in Zilina ansässigen Zeichen-
professor Obendorff nahmen sie nur ungern dazu,
sozusagen als Staffage, die die wirklichen Ziele
verbergen sollte. Von diesem Gesichtspunkt aus
gesehen ist auch der Unterschied im Titel der
Silleiner Ausstellung und der Benennung der
Gruppe wichtig. Der Titel der Ausstellung war
taktisch, denn mit den Worten „Ausstellung der
Maler Oberungarns“ konnte schliesslich jedes
Ausstellungsunternehmen im „felvidék“ bezeich-
net werden. Die Benennung der Gruppe war
dagegen national ausgeprägt und reagierte indirekt
auf die für diese Zeit bezeichnende These von der
Einheit der slowakischen Etnik in Mähren und
Ungarn, wobei man betonen wollte, dass es sich
um eine Organisation von bildenden Künstlern
handle, die mit den mährisch-slowakischen Kün-
stlern nicht rechnet. Die Benennung der Gruppe
zeigte so an, dass die Idee der vor Kurzem statt-
gefundenen Veranstaltung in Hodonín, aufgebaut
auf der Zusammengehörigkeit der „mährischen“
und „ungarischen“ Slowaken, der wirklichen
Situation nicht genügend gerecht wurde, sodass
man an diese Idee dauerhafter nicht anknüpfen
konnte.
Der Verlauf und der Abschluss der Silleiner
Ausstellung beeinflusste die ganze weitere — lei-
der nur vierjährige — Tätigkeit der Gruppe. Einer-
seits war ein positives Ergebnis von Zilina die
hier gewonnene Erkenntnis, dass die Gruppe
nötig ist und etwas zu sagen hat. Pressestimmen
begrüssten die Silleiner Ausstellung als eine
bedeutende kulturelle Tat und nationale Mani-
festation. Andererseits zeigten die silleiner Er-
fahrungen, dass der ungarische Boden für das
Programm der Gruppe zu heiss war und die
Mitglieder der Gruppe von Zilina im wahrsten
Sinne des Wortes flüchten mussten, weil ihnen
Unannehmlichkeiten und Repressalien drohten.
Sie begrüssten die Tatsache, dass sie eine Einladung
bekamen, eine weitere Ausstellung in Ostrava
zu veranstalten. So begann das Tournee der
Gruppe durch mährische Städte, das in den
Jahren 1904—1906 fortgesetzt wurde und un-
freiwillig 1907 durch die Sommerausstellung in
Luhačovice — die letzte Ausstellung der Gruppe-
beendet wurde.
Die Vereinigung veranstalte im Laufe von 4
Jahren insgesamt 12 Ausstellungen, von denen
nur die erste auf dem Gebiet der Slowakei stattfand.
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