Ars: časopis Ústavu Dejín Umenia Slovenskej Akadémie Vied — 4.1970

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nur Werke heimischer Künstler zur Verlosung
gelangen sollen. Das Ergebnis dieses Entschlusses
wirkte sich negativ aus. Die nichtpressburger
Künstler traten von den Vereinsausstellungen
zurück und die heimischen waren unfähig, die
gewohnten Räume zu füllen. Man sammelte
Arbeiten von Amateuren, Photographen und
Studenten, wodurch das Niveau der Ausstellungen
sank und dadurch auch das Interesse an ihnen
zurückging. Auf Veranlassung des Stadtartztes
und Amateurmalers Dr. Edmund Mer gl wurde
1905 das System der Auslosung in dem Sinne
abgeändert, dass dem Gewinner die Möglichkeit
einer freien Wahl offenstand. Es wurden auch
nichtpressburger Künstler eingeladen, so dass die
Ausstellung 1905, die der Maler Kornel Spányik
leitete, wieder eine annehmbare Bilanz aufwiess.
Es wurde für fast 7000 Kronen verkauft und die
Zahl der Mitglieder erhöhte sich von 229 auf 274.
Bei der Generalversammlung im Jahre 1905
wurde ein neuer Ausschuss gewählt, der sich von
dem vorhergegangenen durch die Besetzung einiger
neuer Funktionen unterschied. Zum Schriftleiter
wurde B. Steckeihuber, Ausstellungsdirektor
Stefan Burchard-Bélaváry, Juroren J. Batka
und Dr. T. Ortvay.
Es war ein Verdienst des Bürgermeisters Brolly,
dass sich die Situation im Kunstverein in dieser
Zeit besserte; denn dem Verein fielen 8000 Kronen
aus dem Besitz der aufgelösten Theaterunter-
stützungsgesellschaft zu. Ausserdem genehmigte
der Stadtrat am 6. November 1905 alljährlich
2000 Kronen zum Ankauf von Bildern für eine
zukünftige städtische Galerie. Zur Steigerung der
künstlerischen Ansprüche bei den öffentlichen
Auftreten des Vereines trug der Maler Kornel
Spányik bei. Am 29. Mai 1907 wurde er auch
zum Vizepräses gewählt. Eine Funktion, die seit
dem Jahre 1904, dem Tode des Nestors der
Pressburger bildenden Künstler, Eduard Majsch,
unbesetzt gewesen war. Leiden zerschellten Spá-
nyik’s gutgemeinte Reformen an der einfachen
Realität, der auf einem niedrigen Niveau stehen-
den Verhältnisse. Die Ausstellungen der Jahre
1907 und 1908, die in den Räumen der metallur-
gischen Gewerbeschule veranstaltet wurden, wa-
ren zwar künstlerisch anspruchsvoller, da in
ihnen auch zahlreiche Budapester Künstler ausstell-
ten, sie endeten jedoch mit Defizit und einem
vorübergehenden Sinken der Mitgliederzahl des

Vereines. Dieses Sinken wurde dadurch begründet,
dass von den ordentlichen Ausstellungen und
so auch von den Vorteilen Amateure ausgeschlos-
sen wurden. Als Ersatz sollte ihnen eine Ausstellung
ohne Jury unter der Beteiligung von Amateur-
künstlern und Photographen dienen, die Ende des
Jahres 1908 stattfinden sollte. Das Unternehmen
scheiterte jedoch.
Zu den positiven Seiten der Tätigkeit des
Vereines nach dem Jahre 1900 gehörte die ge-
legentliche Verteilung von Stipendien und Unter-
stützungen an studierende und beginnende bil-
dende Künstler. Die ersten Stipendiaten des
Vereines waren Alois Rigele und Johann Pflü-
ger. Später bekamen auch Robert Kühmayer
und Josef Arpád Mur mann und andere eine
Unterstützung.
Um das Jahr 1910 geriet der Verein in eine
finanzielle Krise, als die grossangelegte Ausstellung
in den Räumen des ehemaligen Bellevue mit einem
Defizit von über 2000 Kronen endete. Daran waren
mehrere Tatsachen schuld: Die Räume lagen
ausserhalb der Stadt, sodass wenige Besucher
kamen. Die Regie, verbunden mit dem Transport
und der Versicherung der Werke aus Budapest,
war hoch und wenig wurde verkauft. Die Bilanz
war ungünstig, obwohl es sich um eines der
wertvollsten Unternehmen in der Geschichte des
Vereins handelte. Auf der Generalversammlung
am 17. Juni 1910 erklärte der Präses des Vereins,
der Bürgermeister Teodor Brolly, dass in An-
betracht des ungünstigen Ergebnisses der letzten
Ausstellung eine zweijährige Pause eintreten solle
und dies auch deshalb, weil keine geeigneten
Ausstellungsräume vorhanden waren. Man er-
wartete, dass sich die Situation nach der Beendi-
gung des Baues der Redoute verbessern würde.
Die Generalversammlung wählte Paul Suján
und Josef Völkel, die beide Zeichenprofessoren
waren, in ihren Ausschuss.
Das 25zigjährige Jubileum des Bestehends des
Kunstvereins wurde daher in keiner allzu anregen-
den Atmosphäre gefeiert. Im Gegenteil, dem Verein
drohte der Untergang und das durch das Ver-
schulden seiner eigenen Funktionäre. Stefan Buch-
hard-Bélaváry, obzwar Ausstellungsdirektor des
Vereines, wollte die festgefahrenen Ausstellungs-
gelegenheiten nach der Generalversammlung im
Juni 1910 dadurch flottmachen, dass, er zusammen
mit den Malern L. Pitthordt, M. Stankovich,

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