Ars: časopis Ústavu Dejín Umenia Slovenskej Akadémie Vied — 4.1970

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fähigere bildende Künstler hatte die Ambition,
Mitglied des Landesvereines ungarischer bildender
Künstler (Országos magyar képzomúvészeti tár-
sulat) mit dem Sitz in Budapest zu werden. Es
gab jedoch auch andere Gründe, die den provin-
ziellen Charakter des Vereins bestimmten. Nach
aussen hin musste sein Auftreten ungarisch na-
tional sein. Initiative durfte er nur in einem Masse
entwickeln, das keinen Eindruck eines Konkurenz-
willens mit Budapest hervorrufen konnte. Die
anfänglichen durchschlagskräftigen Aspirationen
des Verbandes wurden als häretisch kritisiert.
Diesen Umstand beachtete seither die Vereinslei-
tung schon deshalb, weil beiläufig die Hälfte der
Mitglieder und Funktionäre sehr laue grossmagyare
Patrioten waren, da sie entweder deutscher
Abstammung oder einfach Pressburger waren,
denen Wien näher stand als Budapest.
Unter diesen Umständen ist es verständlich,
dass es auf dem Gebiet des Kunstvereins zu keiner
bedeutenderen Auseinandersetzung über schöp-
ferische Probleme kam. Äusser den Bemühungen
Spanyik’s um eine Wiedergeburt des Vereins im
Namen der künstlerischen Qualität, spielte sich
dort nichts ab, was bei der Suche nach den Spuren
der Traditionen eines modernen bildnerischen
Ausdrucks bei uns notwendig wäre zu erwähnen.
Alles künstlerisch Anspruchsvolle, das sich an den
Verein knüpft, bleibt im Rahmen der zeitgenös-
sisch verstandenen professionalon akademischen
Ansichten über den künstlerischen Ausdruck in
der bildenden Kunst. Aus diesem Global treten
nur zögernd gelegentliche Anläufe zum Impressio-
nismus hervor. Im Gebiet der angewandten Kunst
war die Beeinflussung durch die Gesetze der
Sezession, die damals in Mode war, sichtbar. Der
Pressburger Kunstverein war in Prinzip eine
„Koalitionsvereinigung“ professioneller bildender
Künstler mit Amateuren und kunstliebenden
Laien. Er hatte eher volkstümlich erzieherische
als künstlerisch-programmative Ziele. Er war ein
Beweis für die Kultur Alt-Pressburgs und seiner
Spitzen. Alles wies jedoch darauf hin, dass es sich
hier um eine abgeleitete und provinzielle Kultur
handelte. Erst nach dem Jahr 1918, als der Verein
auf hörte eine offizielle Stellung im Organismus
der Stadt einzunehmen und zu einer Organisation
einer Minderheit wurde, finden wir in ihm schöpfe-
rische Strömungen, die zu den fortschrittlichen,
aufrührerischen konformlosen Äusserungen im

Ramen der Kultur der jungen Tschechoslowakei
gehörten.
c) Malerkolonien.
Wir führten schon an, dass in Detva im Jahre
1901 eine Malerkolonie entstand!, deren Seele
die Maler Jaroslav Augusta und Emil Pacovský
waren. Über diese Kolonie ist es notwendig aus-
führlicher zu sprechen, da sie für ihre Zeit cha-
rakteristisch und in der slowakischen nationalen
Kunst eine historisch wichtige Erscheinung war.
Die Entwicklung des Pleinairs und des Volksgcn-
res in der bildenden Kunst zu Ende des vorigen
Jahrhunderts erzwang sich organisch die Suche
nach einem Gebiet mit interessanten Motiven,
von denen die bewährtesten zu Malerzentren und
Malerkolonien wurden. Das klassische Beispiel
des französichen Barbizon machen sich später
viele europäische Kulturen zu eigen. Die Bewegung
der Malerkolonien war auch unter den mitteleuro-
päischen Künstlern populär, wenn auch zu einem
bedeutend späteren Zeitpunkt — praktisch erst
in den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts und
an der Schwelle des 20. Jahrhunderts.28
Gewiss wurde der Begriff einer Kolonie nicht
überall buchstäblich realisiert. Nur an wenigen
Orten wurden für die Kolonie auch eigene Ubika-
tionen und Ateliers erbaut, wodurch sich natür-
lich auch die Kurzlebigkeit vieler von ihnen
erklären lässt. Die bekanntesten Kolonien jedoch,
die auch ganze Jahrzehnte überdauerten, wurden
schrittweise als dauernde Künstlersicdlungcn mit
Quartieren, Ateliers und gesellschaftlichen Ein-
richtungen erbaut. Bis ein solches Künstler-
zentrum zu einer ausgebauten Kolonie im wahren
Sinne des Wortes wurde, büsste sie meistens die
Aktualität der Beweggründe ihres Entstehens
s flion ein. Die Neuheit des lanschaftlichen Rahmens
und der Genrereichtum erschöpften sich gewöhnlich
schon oder hörten auf ästhetisch für die neueren
bildnerischen Programme und Versuche fruchtbar
zu sein, so dass sich die künstlerische Produktion
solcher überlebter Kolonien in der Regel von der
Produktion anderer provinzieller Zentren nicht
unterschied.
Der Malerkolonie in Detva blieb keine Zeit zu
einer solchen provinziellen Konvention zu „de-
generieren“. Im Laufe der Jahre 1901 bis 1907
konnte sich der originelle Reiz der Detvaer Land-

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