Ars: časopis Ústavu Dejín Umenia Slovenskej Akadémie Vied — 4.1970

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Gejza Angyal, Kopf eines Bergarbeiters, Kreidezeichnung,
1911 (Foto Hideg).

schuldet wurde). In manchen Genreporträts,
hauptsächlich bei Haläsz-Hradil, schiebt sich
unsere Malerei zu ihren relativ progressivsten
Lagen vor.
Eine andere Art des Porträts repräsentiert bei
uns, hauptsächlich unter den Mitgliedern der
Gruppe slowakischer Maler Ungarns, eine Art,
die man als figurale Genrestudie bezeichnen kann.
Die Kompositionen tragen alle formellen Kenn-
zeichen des Porträts, ihr Hauptziel ist jedoch eine
etnographische Charakterdokumentation von
Volkstypen aller Altersstufen. Meistens sitzt das
Modell des Malers in einer neutralen Interieurum-
gebung. Nicht selten sind jedoch auch die Fälle,
in denen der Maler seine Figur in ein typisches
Interieur oder ein charakteristisches Pleinair
einfügt, wodurch eigentlich nach und nach eine
Verschiebung vom Porträt zu komplizierteren
monofiguralen oder mehrfiguralen Kompositionen
verläuft. Genrestudien dieses Typus finden wir
bei Gustav Mallý, Jaroslav Augusta (und den

anderen Mitgliedern der Kolonie von Detva),
bei Julius Kern und anderen.
Im Bereich der eigentlichen figuralen Kom-
position nimmt in unserer Malerei eine zentrale
Position die Genre-Szene ein. Also keine historische
Komposition, keine religiöse oder militärische
Komposition (die so reich in der ungarischen
Kultur vertreten waren), sondern eine Malerei
von Szenen aus dem Leben und der Arbeit der
Dorfbevölkerung. Dabei ist in Betracht zu ziehen,
dass dieser Zweig in seinen Anschauungen und
in seiner Bedeutung ziemlich uneinheitlich war.
Er ist eine Kreuzung mehrerer älterer und zeit-
genössischer Tendenzen, aus denen die Genre-
komposition Schöpfte. Entfernt klang hier auch
das Interesse um ein intimes Genre nach, das
sich seit der Biedermeierzeit oder sogar noch seit
einer früheren Zeit übertrug. Weiter gab es
hier den gesellschaftlichen Auftrag für ein „mo-
dernes“ anekdotisch-sentimentales Genre, dessen
populärster Typus in Mitteleuropa die Dauchauer
Gruppe der deutschen Genristen schuf. Es wirkte
hier jedoch auch das Interesse an der Entdeckung
eines ursprünglichen heimatlichen Genre’s (die
damalige Popularität der Kolonie von Szolnok);
erst von diesem Hintergründe heben sich die
Programmkonturen des Volksgenres klarer ab.
Eine Genreart, um die sich die Maler der Gruppe
slowakischer Maler Ungarns bemühten.
Die ideelle Konzeption des Genres formulierte
in seinem Artikel „Über die Malkunst“ Jaroslav
Augusta.33 Für diese Konzeption waren zwei
Momente charakteristisch : erstens die kritische
Einstellung zum „literarischen Idealismus“, der
in der damaligen modernen Genremalerei herrschte,
und zweitens die Betonung der bildnerischen
Progressivität (womit man das Ausnützen der
Errungenschaften des Impressionismus verstand).
Den Malern ging es um ein Schaffen — bildlich
gesagt — irgendwo zwischen Jaroslav Věšín und
Jožo Uprka. Vesin’s arrangierter Anekdotismus,
der die Wahrheit über das Leben des slowakischen
Dorfes verzerrte, war ihnen fremd, sie wollten
jedoch auch nicht so weit wie Uprka gehen, bei
dem der Mensch oft zu einem farbigen Fleck
reduziert wurde.34 Um diese Position zu begreifen,
müssen wir uns dessen bewusst sein, dass es sich
hier im Grunde um die Problematik der „enga-
gierten“ Kunst handelte. Augusta äusserte sich
nicht zu den Fragen der Malerei überhaupt,


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