Ars: časopis Ústavu Dejín Umenia Slovenskej Akadémie Vied — 4.1970

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Tätigkeit der Münzkammer von Kremnica unmittelbar
verbunden. Die Prägestempel zur Erzeugung von Me-
daillen wurden überwiegend von den Angestellten der
Münzkammer, den Meistern-Eisenstanzern und ihren
Gehilfen, hergestellt. Anfangs wurde die königliche
Kammer zum Produzenten von Medaillen. Aus den
Quellen geht hervor, daß mit der Zeit die Meister-
Eisenstanzer in eigener Regie die ganze Erzeugung von
Medaillen betrieben, und die königliche Kammer sich
nur auf ihre Evidenz beschränkte. Edle Metalle gewannen
die Medailleure durch den Einkauf von Metallen von der
Kammer oder durch den Einkauf von Bruchmetall von
Privatpersonen.
Die älteste und am zahlreichsten vertretene Gruppe
von Medaillen aus Kremnica aus dem 16. und 17. Jh.
ist die der Personen-, überwiegend Porträtmedaillen.
Auf der Vorderseite bilden sie eine Person ab, für die die
Medaille angefertigt wurde. Die ganze Rückseite pflegt
durch ein Wappen ausgefüllt zu sein. Eine zweite große
Gruppe — biblische Medaillen — erscheint in den drei-
ßiger Jahren des 16. Jahrhunderts. Auf ihre Entstehung
hatte zweifellos die sich ausbreitende Reformation
Einfluß. Nach dem Zweck, dem sie dienten, können wir
sie in Gelegenheitsmedaillen, in Amulette und Talismane
einteilen. Die Schaffung von biblischen Medaillen, die zu
einem vorteilhaften Handelsartikel wurden, war zweifellos
eine Privatsache der Meister.
Eine viel kleinere Gruppe bilden die Medaillen, die zu
verschiedenen anderen Anlässen geprägt wurden: die
Medaillen zu Ehren der Befreiung der Stadt, die Freund-
schaftsmedaillen, Bergmannsmedaillen, Wappenmedail-
len und Schulprämien.
Die ersten Medaillen von Kremnica entstehen in den
Jahren 1508—1525. Charakteristisch für sie ist die Bil-
dung eines eigenen Medaillenstils. Trotz bisheriger
Bemühung der Forscher ist es bis jetzt nicht gelungen,
ihren Autor sicher festzustellen.
Durch Quellen ist die Tätigkeit eines reifen Meisters
der Renaissance-Medaille von Kremnica, Krištof Füssel,
zuverlässig belegt. In den Quellen tritt er seit 1536 als
Meister-Eisenstanzer auf, es ist aber wahrscheinlich, daß
er in Kremnica schon vor der Übernahme dieses Amtes
tätig war. Er starb am 28. Nov. 1553. Für Füssel ist die

Einteilung der Medaille in zwei Halbkreisfelder charak-
teristisch. Zu seinen Vorwürfen stellt er sich aus der
Position eines Renaissance-Künstlers. Der Nachfolger
von Krištof Füssel war Lukáš Richter,-der am 23. Mai
1562 zum Haupteisenstanzer ernannt wurde. Am 3. Juli
1579 wurde er pensioniert. Den wesentlichen Teil seines
Schaffens bilden Porträtmedaillen. Richter befreit seine
Gestalten vom Stilisieren und bemüht sich bewußt, die
Individualzüge der porträtierten Person zu betonen.
Diese Medaillen bilden den Höhepunkt des Porträt-
Medaillenwesens von Kremnica im 16. und 17. Jh. Der
Nachfolger Richters, Abrahám Eisker, war keine so
starke Künstlerpersönlichkeit. Seine Eigentümlichkeit
tritt in reichen plastischen Wappen in den Vordergrund.
Der letzte Renaissance-Medailleur von Kremnica war
Joachim Elsholtz.
Zu Beginn des 17. Jhs. zeigte sich ein Stilwandel im
Medaillenwesen von Kremnica. Bis zur Hälfte dieses
Jahrhunderts schöpfen die Medailleure von Kremnica
aus dem durch Manierismus gekennzeichneten Schaffen
der höfischen Medailleure, ohne bemerkenswerte eigene
Beiträge (z. B. das Werk von Michal Sock, der am 3. Juni
1601 zum Haupteisenstanzer ernannt wurde, das Werk von
A. Sock, Wilhelm Hörlund das Werk des fruchtbarsten Me-
dailleur von Kremnica im 16. und 17. Jh., Hans Guet).
In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts nahmen
sich in Kremnica die Angehörigen der Familie Roth aus
Rothenfels der Herstellung von Medaillen an. Ihre
Tätigkeit greift bis ins 18. Jahrhundert über und be-
schließt diese Entwicklungsphase des Medaillenwesens
von Kremnica. Die Roths beschränkten sich fast aus-
schließlich auf eine einzige Art von Medaillen — die
Juraj-Medaillen —, deren Entstehung und Entwicklung
sich in Kremnica abspielte und mit dem Schaffen der
Familie Roth verbunden war. Die Medaillenherstellung
dieser Familie endet im Jahre 1754. Wenn wir die
Medaillen vom Standpunkt der Auffassung des Sujets
verfolgen, die von den Mitgliedern dieser Familie ge-
schaffen wurden, bemerken wir eine ähnliche Überwin-
dung der Traditionen der Renaissance und des Manieris-
mus (bei Kristian Hermann Roth) bis zu den erregten
Barockszenen auf den Medaillen von Jeremiáš Roth,
des Älteren und des Jüngeren.

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