Instytut Historii Sztuki <Posen> [Editor]
Artium Quaestiones — 25.2014

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UM 1300. NEUE FORMEN DER REPRÄSENTATION IM KIRCHENBAU

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dition der Querhausstirnseiten denken, aber auch an die von Hans
Sedlmayr in seinem Werk über „Die Entstehung der Kathedrale” heraus-
gestellten Wimpergarkaden27, die auch von Paul Frankl für den Chor-
obergaden des Kölner Domes hervorgehoben wurden28, dort mit alternie-
renden Blendfiguren von Dreistrahl und Rosette, zu eben jener Zeit als
in Minden die Langhausmauern hochgeführt wurden. Auch in Minden
sollten die Giebeldreiecke ursprünglich reicher gestaltet werden, anders
als die heute von den Veränderungen des 19. Jahrhunderts befreiten
Giebel am Langhaus des Paderborner Domes. Auch dieses Langhaus
wurde zunächst als Basilika begonnen, dann als Hallenkirche weiter-
geführt, bevor im letzten Viertel des 13. Jahrhunderts die finanziellen
Mittel ausgingen29. In Verden schließlich begrenzen und schmücken die
neuen hochgeführten Maßwerkfenster dann erstmals den nach der
Grundrißdisposition der Reimser Kathedrale aufgebauten Umgangschor
und führten zum ersten Hallenumgangschor in Deutschland.
Es sind diese neuen Maßwerkfenster, die unabhängig von allen
Raumvorstellungen im letzten Drittel des 13. Jahrhunderts ein neues
Aufrißsystem beförderten, für das der Hallenquerschnitt konstitutiv war.
Sie ermöglichten in Meißen, in Minden, in Paderborn und in Verden
neue Formen gesteigerter Monumentalität und Repräsentation im Kir-
chenbau. Diese Veränderungen betreffen nicht nur Deutschland, nur
sind diese Zusammenhänge hier durch eine nationale Kunstgeschichts-
schreibung in der Nachfolge von Kurt Gerstenbergs Deutscher Sondergo-
tik vielleicht am weitesten aus dem Blick geraten.

Abbildungsnachweis
il. 1, 4-9: Fot. Jarosław Jarzewicz
il. 2: Richard Hamann-Mac Lean / Ise Schüssler, Die Kathedrale von Reims, Teil I, Die
Architektur, Bd. 2, Abbildungen, Stuttgart 1993, Abb. 185 (Ausschnitt)
il. 3: Hans-Joachim Kunst, Die Entstehung des Hallenumgangschores, Marburger Jahr-
buch 18, 1969, Tafel 14, Abb. 16
il. 10: Edgar Lehmann und Ernst Schubert, Der Dom zu Meißen, Berlin 1970, S. 20
il. 11: Edgar Lehmann und Ernst Schubert, Der Dom zu Meißen, Berlin 1970, S. 21

27 H. Sedlmayr, Die Entstehung der Kathedrale, Zürich 1950, S. 66-69. Hierzu auch
Leonhard Helten, Ad Libitum. Homolog-hierarchische Strukturen im mittelalterlichen
Maßwerk, (in:) Mikroarchitektur im Mittelalter. Ein gattungsübergreifendes Phänomen
zwischen Realität und Imagination, U. Albrecht u. Ch. Kratzke (Hg.), Leipzig 2008, S. 29-
41. Auch die Strebepfeilertabernakel des Mindener Langhauses, die meist direkt von
Reims abgeleitet werden, weisen in diese Richtung.
28 P. Frankl, Gothic Architecture, Harmondsworth 1962, 162f.
29 Zur Baugeschichte vgl. U. Lobbedey, Der Paderborner Dom. Vorgeschichte, Bau
und Fortleben einer westfälischen Bischofskirche, München 1990.
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