Verein für Badische Ortsbeschreibung [Editor]
Badenia oder das badische Land und Volk: eine Zeitschr. zur Verbreitung d. histor., topograph. u. statist. Kenntniß d. Großherzogthums ; eine Zeitschrift des Vereines für Badische Ortsbeschreibung — 1.1859

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Wir wissen, wie nach Vertreibung der Römer vom rechten
Rheinufer das Volk der Alemannen die Landschaften vom
Main und Neckar bis hinauf an den Bodensee in Besitz nahm,
und wie dieselben sofort das Hauptgebiet seiner Eidgenossen-
schaft bildeten, wo verschiedene Fürsten in größeren und kleineren
Gauen an der Spitze ihrer Stämme standen.
Diese Niederlassung wahrte von den Zeiten Kaiser Kon-
stantins des Großen bis auf König Klodwig I, demnach beinahe
zwei volle Jahrhunderte, freilich unter vielfach wechseln-
dem Geschicke des alemannischen Völkerbundes. Die jetzt badischen
Lande gehörten daher auch nach der Auflösung des römischen
Vorlandes am Oberrheine abermals längere Zeit als Haupt-
bestandtheil einem großen Ganzen an und standen durch poli-
tische, militärische und soziale Interessen und Anstalten mit
einander in engem Verbände.
Wir zählen also einen Zeitraunr von wenigstens 450 Jahren,
während welchem unser badisches Vaterland, zuerst unter den
Römern, sodann unter den Alemannen, ein zusammenhän-
gendes, jedesmal bei gleichen Interessen und Einrichtungen
gleichmäßig bewohntes und verwaltetes Terrain gebildet.
Wie nun aber die römischen und gallischen Ansiedler sich
das rheinische Vorland in eigentümlicher Kultur zur wohn-
lichen Heimath eingerichtet, so thaten es auch die Alemannen.
Es ist irrig, dieselben nur als Jäger und Kriegsmänner zu
betrachten. Sie ließen sich als Land wirt he nieder und grün-
deten in ihren Höfen und Marken einen festen, friedlichen
Gesellsch aftsverband.
„Römer*) und Gallier, Alemannen und Franken haben in
unserem Vaterlande vom Ackerbaue gelebt. Die Notwendig-
keit desselben in jeglichem Lande macht es begreiflich, daß die
nachfolgenden Besitzer die Erfahrung der vorausgegan-
genen benützen, daß also die Technik des Landbaues und dessen
Einrichtungen auf die späteren Geschlechter übergehen".
Mcne'S badische Urgeschichte (S. 1), worin nach allen Seiten hin
gezeigt ist, wie wir in die Fußtapfen keltisch-römischer und deutscher Ansiedler zu
unserer Landeskultur gelangt sind.
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