Verein für Badische Ortsbeschreibung [Editor]
Badenia oder das badische Land und Volk: eine Zeitschr. zur Verbreitung d. histor., topograph. u. statist. Kenntniß d. Großherzogthums ; eine Zeitschrift des Vereines für Badische Ortsbeschreibung — 1.1859

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stellung. Und neben ihr erneutes Wirken für die Verbreitung
und Befestigung des Evangeliums uuter den heidnischen Bevöl-
kerungen des Oberrheines trat sofort auch die irische Mission,
eine Erscheinung der merkwürdigsten Art.
Die Kelten der britannischen Inseln, welche so hart-
näckige Anhänger des Druidenthums gewesen, traten nach ihrer
Christianisierung als die eifrigsten Diener des Evangeliums
aus und eine Menge ihrer Landsleute folgten dem inneren Triebe,
die Lehre des Gekreuzigten als neue Apostel in fremden Ländern
unter den Heiden zu verkündigen.
So kamen die „Schotten", wie man diese Glaubensboten
gemeinlich zu nennen Pflegte, auch an den Oberrhein und
gründeten da eine Reihe von Manns- und Frauenklöstern,
weil solche Anstalten am geeignetsten schienen, die christliche Kirche
mit nachhaltigem Erfolge zu erweitern. Vom heiligen Frido-
lin (500) bis auf den heiligen Find an (850) verfloßen dritt-
halb Jahrhunderte, so andauernd verfolgte die irische Mission
ihr frommes Ziel. Wir verdanken ihr die ältesten unserer
Klöster und die entschiedenste Förderung der christlichen Kirche
im Rheinthale, deren Verhältnisse seit Bischof Bonifaz immer
fester und geordneter wurden.
Wie man aber die Kirche in Deutschland ganz nach römisch-
gallischem Vorbilde eingerichtet, so hatte sich auch in der politisch -
militärischen Anstalt der Gauversass u n g derselbe Einfluß wirk-
sam und gellend gemacht.
Geographisch gestalteten sich die Gaue meistens nach den
Wassergebieten; denn ihre Gränzcn sind im Gebirge beinahe
überall die Schneeschleifen oder Wasserscheiden, und nur in
der Ebene sind es die Flüße und Bäche. Man folgte hierin den
Fingerzeigen der Natur, nicht wie im neuen Amerika, wo die
verschiedenen Gebiete der vereinigten Staaten, ohne Rücksicht auf
die natürliche Lage zwischen Gebirgen und Strömen, ächt modern
nach geraden Linien auf der Landkarte abgetheilt sind.
Die Abtheilung des Landes in Gaue ist bei uns so ur-
sprünglich und naturgemäß, daß sie nicht allein zu Römerzeiten
schon bestand und durchs ganze Mittelalter herab in kirchlichen
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