Verein für Badische Ortsbeschreibung [Editor]
Badenia oder das badische Land und Volk: eine Zeitschr. zur Verbreitung d. histor., topograph. u. statist. Kenntniß d. Großherzogthums ; eine Zeitschrift des Vereines für Badische Ortsbeschreibung — 1.1859

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Dieses Unglück traf das Stift unter der Fürst äbtissin Agnes
von Brandts, welche 1343 den Wiederaufbau des Münsters be-
gann. Man steuerte zu dem frommen Werke von verschiedenen
Seiten freigebig bei und es gewann der heilige Bau, ungeachtet
der unruhigen Zeitläufe in Folge des Krieges zwischen dem Erz-
hause und der schweizerischen Eidgenoßcnschaft, einen so glück-
lichen Fortgang, daß er 1360 schon konnte eingeweiht werden.
Es geschah unter der würdigen Aebtissin Margaretha von
Grünenberg, welche Vieles erlebte und wirkte, und ihrer Nach-
folgerin Clara nna von Hohenklingen 1380 das Stift in ziem-
lich geordneten Vcrhältnißen hinterließ.
Jener Krieg aber gestattete demselben kein rechtes Gedeihen,
indem er ihm nicht allein eine Reihe von Irrungen und Opfern
verursachte, sondern es auch mit dem Verluste der stiftischen
Hauptbesitzung, des Landes Glarus, wiederholt bedrohte. Es
bedurfte der ganzen Klugheit und Thatkraft der Fürstin Agnes
von Sulz, welche das Gotteshaus über ein halbes Jahrhundert
lang verwaltete, wenn dasselbe in den schweren Zeiten von 1432
bis 1484 nicht völlig zerfallen sollte.
Als nach dem Hinscheiden dieser hochbelobten Frau die abtis-
sische Würde an Elsbeth von Falkenstein gedieh, bestand das
Kapitel aus 7 Stiftsdamen von adeligem und 4 Chorherren von
bürgerlichem Geblüte, welche ein gemächliches Leben führten und
dem Gottesdienste nicht allzustrenge oblagen, während die
neue Vorsteherin in Entrichtung derPr übenden fahrläßig oder-
habsüchtig verfuhr. Es kam zu Mißstimmungen, Klagen und
Streitigkeiten; der Handel gelangte vor den Bischof, den Papst
und den Kaiser. Da stiftete Max I insoferne Frieden, als er
die Aebtissin veranlaßte, von ihrem Prozesse in Rom abzustehen,
und den Bischof bewog, die mit dem geistlichen Bann belegte
Frau von demselben wieder zu befreien und ihr in allen ihren
Angelegenheiten behilflich zu sein.
Die Versöhnung im Stifte selber „zwischen dem Frauen-
zimmer", erzählt der gute Vandermeer, sei aber so wenig
ächt und dauerhaft gewesen, daß man die Aebtissin endlich 1508
habe bewegen müßen, zu Gunsten ihrer Schwester Anna abzu-
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