Verein für Badische Ortsbeschreibung [Editor]
Badenia oder das badische Land und Volk: eine Zeitschr. zur Verbreitung d. histor., topograph. u. statist. Kenntniß d. Großherzogthums ; eine Zeitschrift des Vereines für Badische Ortsbeschreibung — 1.1859

Page: 308
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die Bande der Gemeinde nnd Familie täglich mehr zur Beute
fallen! Dem furchtbaren Geiste gegenüber, welcher das Indi-
viduum emanzipiert, um dasselbe, wie der Böse die verlockte,
zuchtlos gewordene Seele, in?s Verderben zu stürzen.
Die Staatsverwaltung, die kirchlichen und Schulanstalten
gehen ihren gewöhnten Gang, und man huldigt überall ihrem
Bestreben, die Ordnung, die Sittlichkeit, die Bildung und
den Wohlstand zu heben. Neben ihnen aber schleicht im Stillen,
von Tausenden, von den Meisten nicht bemerkt, nicht geahnt —
dieser Geist; er saugt Nahrung aus Gesetzen und Verord-
nungen, Anstalten und Einrichtungen, welche im besten Sinne
gegeben und getroffen worden, nnd vergiftet mit seinem Hauche
alle Schichten der Gesellschaft.
Wer hat ihn heraufbeschworen und großgezogen? Dieje-
nigen haben es gethan, welche das Einheimische, Heimathliche,
Landsmännische verläugnet oder verhöhnt und mit Füßen getre-
ten, um den Götzendienst des Fremd enth ums einzuführen
und ihm unsere Bevölkerungen gehorsam zu machen.
Als nun der Schaden davon sich zeigte, wollte man wieder-
helfen ; allein die erschütterten und gelockerten Gemeinde- und
Familienbande sind an verkehrten Heilmitteln noch kränker-
geworden. Man wird sie niemals heilen bloß von Außen her;
sie wollen von Innen, von mütterlichen Händen gepflegt sein,
nur zu gesunden; und das eigentliche Element dieser Pflege ist
der Geist des Heimatlichen, welcher mit unzählbaren zar-
testen und feinsten Fäden jene wichtigen Bande weben hilft.
Von diesem Standpunkte aus möchte ich die Bearbeitung
historisch-statistischer Ortsbeschreibungen in unserem schönen
und reichen Lande organisiert sehen.
Ein öffentliches Organ für gegenseitige Besprechung aber
müßte, wie erwähnt, die Sache in den Gang bringen und das
Interesse dafür rege erhalten. Es müßten in demselben beson-
ders die einzelnen Rubriken des Schemas, welches ich oben
aufgestellt, näher besprochen und bestimmt werden, weil hievon
die Reichhaltigkeit des Details abhängt, worin der wahre Gehalt
historisch-topographisch-statistischer Arbeiten besteht.
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