Verein für Badische Ortsbeschreibung [Editor]
Badenia oder das badische Land und Volk: eine Zeitschr. zur Verbreitung d. histor., topograph. u. statist. Kenntniß d. Großherzogthums ; eine Zeitschrift des Vereines für Badische Ortsbeschreibung — 1.1859

Page: 256
DOI issue: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/badenia1859/0374
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
— 256

Das aber waren noch goldene Zeiten für die Dienstman-
nengeschlechter, die Jahre, in denen wir unsere Staufenberger
wieder aufnehmen. Kein Wunder, daß sie so fröhlich sangen in
jenem 13ten Jahrhundert, wie Hartmann, der Dienstmann von
Owe, der von Kürenberg, der von Herbolzheim und hundert
andere, deren Lieder nicht ausgeschrieben sind. Freilich weiß einer
aus ihnen selber vom damaligen Rechtszustand, eben im Hinblick
auf das unbedenkliche Zugreisen des Adels und der Kirche, nicht
viel zu rühmen:
„Tiuschiu laut sint roubes vol,
geritzte, voget, münze, zol,
diu wurdent e durch got erdaht,
nu sint st gar ze roube braht."
Für sie allein war's goldene Zeit, für die große Zunft des
Waffenhandwerks. Die alten freien Herren haben's schwer ge-
fühlt: sie wurden von den Dienstmannen geradezu aufgezehrt.
Als Burgleute auf Staufenberg haben wir zunächst sieben
Familien auszuzählen. Eine derselben führt keinen unterschei-
denden Beinamen, sie nennt sich schlechtweg von Staufen-
berg, und ihr herrschender Vorname ist Reinbold. Begütert
war sie zu Appenweier, Urlosfen, Tenniger (wie es scheint, waren
diese Besitzungen lauter Lehen).
Die Schideline hatten ihre Güter zu Windschläg. Albert
ist ihr Lieblingsname,' wohl eine Reminiscenz aus der Zeit der
kalw'schen Lehensherrlichkeit. Ob diese Familie besondere Gesetze
in der Umgegend von Staufenberg hatte, ist nicht zu bestimmen;
gewiß aber gehörte ihr „eine Hofstatt innerhalb der Mauer zu
Staufenberg", welche hernach die Straubenhard besaßen, ohne
darum Theilgenossen am Schlosse zu sein. Es ist daher wahr-
scheinlich, daß dieselbe vom eigentlichen Burgantheil verschieden
war, ursprünglich an der Burghalde außer der Mauer lag, wie
deren von Bulach Haus, der Grol, und erst später beim Bau
des Zwingers in die Befestigung gezogen wurde.
Anders verhält es sich mit den übrigen sechs Familien. Je
zwei derselben haben zusammen außer ihren Burgtheilen auf Stau-
senberg einen andern festen Burgsitz innerhalb des Hchloßgebiets.
loading ...