Verein für Badische Ortsbeschreibung [Editor]
Badenia oder das badische Land und Volk: eine Zeitschr. zur Verbreitung d. histor., topograph. u. statist. Kenntniß d. Großherzogthums ; eine Zeitschrift des Vereines für Badische Ortsbeschreibung — 1.1859

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Der Ort wurde an der unteren, fruchtbaren Hälfte des Berges
wieder aufgebaut. Der Weg bis auf den Gipfel war äußerst
mühselig; dann fehlte es oben auch an Trinkwaffer, denn der
Schöpfbrunnen, welchen Graf Wolfgang am Fürstenberg uulls
Jahr 1504, angeblich in gleicher Tiefe mit der Donau (wie der
Brunnen auf dem Wartenberge) hatte graben lassen, war längst
theilweise verschüttet, und das Wasser mußte mit Eseln von
der weiter unten, am Berge sprudelnden Quelle höchst beschwer-
lich heraufgeschafft werden.
Von Altersher bestand der religiöse Brauch, daß am Schmer-
zenfreitag (acht Tage vor dem Charfreitag) die umwohnende
Bevölkerung auf den Berg wallfahrtete. Auch war diese natürliche
Hochwache der Baar bei meinem Gedenken noch mit Kanonen
und Wächtern versehen, um bei Feuersbrünnsten in der Umgegend
die Signale zu geben.
Indem wir nun unserm schönen Gaue noch einen letzten
Blick und Scheidegruß zuwerfen, erinnern wir uns, daß die
Baar mit dem Schwarzwalde und einem Theile des übrigen
Seekreises die Ehre genießt, von dem Unterländer für ein Stück
„badischen Sibiriens" gehalten zu werden. Gegend, Klima, Kost,
Sprache — alles glaubt er besser mtb schöner daheim verlassen
zu haben. Doch, einmal näher mit den Verhältnissen, namentlich
mit den geselligen, bekannt und vertraut, findet er das Leben
dieser Landschaft gar nicht so übel, und sehr oft scheidet er sehr
ungerne aus derselben.
Um indessen nicht ungerecht zu erscheinen, muß entgegen
gehalten werden, wie auch der Sohn unseres Hochlandes nicht
wenig Vorliebe für seine Heimath hat, eine Anhänglichkeit, welche
ihn begleitet, wenn er hinaus zieht in die Fremde, und über
kurz oder lang, oft in spätesten Jahren noch, wieder auf den
He im eg zurückführt.
Wenn Landwirtschaft auch immerhin der solideste Bo-
den für die Thätigkeit des Baarers fein und bleiben wird,
und große Fabriken deßhalb schwerlich je willige Hände genug
finden würden, so ist doch zu wünschen, es möchte Industrie
und Gewerbthätigkeit in regem Wechselverkehre mit dem
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