Verein für Badische Ortsbeschreibung [Editor]
Badenia oder das badische Land und Volk: eine Zeitschr. zur Verbreitung d. histor., topograph. u. statist. Kenntniß d. Großherzogthums ; eine Zeitschrift des Vereines für Badische Ortsbeschreibung — 1.1859

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lichst in Anspruch nahmen. Waren ja, nachdem die Nicklashauser
Wallfahrt mehr und mehr einen politischen Charakter gewonnen,
auch die Gesänge der Waller immer bedenklicher geworden.
Die Chronik von Schwäbisch-Hall hat unter Anderem fol-
genden aufbewahrt:
Wir wollen Gott im Himmel klagen, Kyrie eleison,
Daß wir d'Pfaffen nit sollen ze tode schlagen, Kyrie eleison.
Zuerst schritt der Magistrat von Nürnberg mit einem
Verbote des Wallfahrens ein, welches er in beiden Pfarreien
und in den Klöstern daselbst verkünden ließ (im Juni). Die
zunächst berührten deutschen Fürsten aber waren der Erzbischof
Diether von Jsenbnrg zu Mainz, in dessen Diöcese Nicklas-
hausen lag, der Bischof Konrad von Scherenberg zu Wirzburg,
dessen Diöcesanangehöriger der neue Prophet war, endlich der
Graf Johann von Wertheim, der Landesherr des genannten
Dorfes, welcher zuerst die geistlichen Herren auf den großen Zu-
lauf und die Gefahr desselben aufmerksam machte.
Von diesen ließ, nur einen Tag nach dem Nürnberger
Rathsbeschlusfe, der Mainzer Erzbischof von Eltville aus ein
Schreiben an den Bischof von Wirzburg mit der Aufforderung
ergehen, daß er seinem ketzerischen Unterthan ein weiteres
Vorgehen verbieten, und für das schon geschehene denselben zur
Untersuchung ziehen und bestrafen solle.
Sodann wurde zu Ende des Juni — wohl auf gemein-
samer Tagfahrt zu Aschaffenburg beschlossen, daß man die
Verhaftnahme des Paukers und bei ihm befindlichen Pre-
digermönchs zu bewerkstelligen suchen müße; daß man Jeder-
mann bei dem Banne verbiete, ihn zu heimsen und zu Hausen,
und daß man „Notarien und toste«" auf nächsten Marientag
(den 2ten Juli) nach Nicklashausen sende, um zuverläßigen
Bericht über den Inhalt seiner Reden zu erhalten.
Letzteres wurde ausgeführt, und dem Berichte dieser Späher
verdanken wir das Wenige,, was über Böhms spätere Reden
oben mitgetheilt worden. Unthunlich aber schien sowohl die Ge-
fangennahme, als das Verbot der Wallfahrtlieder. Daher
gieng das Vorschreiten des Propheten jetzt so weit, daß er den
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