Verein für Badische Ortsbeschreibung [Editor]
Badenia oder das badische Land und Volk: eine Zeitschr. zur Verbreitung d. histor., topograph. u. statist. Kenntniß d. Großherzogthums ; eine Zeitschrift des Vereines für Badische Ortsbeschreibung — 1.1859

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7ten Juli, Sonntags vor dem Feste des heiligen Kilian, des
Apostels der Odenwälder, die Männer einlud, künftigen Samstag
sich bewaffnet einzufinden; er habe ihnen im Namen Mariens
drei ernste Worte mitzutheilen.
Nun drängte die drohende Gefahr zu raschem Handeln.
Noch Freitag Abends wurden in aller Stille 34 Reisige von
Wirz bürg entsendet, welche den Propheten nackend, wie er
war, im Bette ergriffen und auf ein Pferd gebunden entführten.
Der Parteigeist malte sich die Sache so aus, als ob der Jüng-
ling ergriffen worden sei, wie er in dem Wirthshause nackend
den Leuten gepredigt habe
Viertausend Wallfahrer waren schon versammelt; zu
spät, wie es scheint, merkten sie, was geschehen war, und in
einem vergeblichen Versuche, Böhm zu befreien, stach Einer das
Roß eines Reisigen nieder. Der Pfarrer von Nicklashausen
nahm die Flucht, wurde aber später ergriffen und nach Mainz
abgeführt; der Lollhard war früher gefangen worden. Jetzt
entwickelte sich dieses politisch-religiöse Drama schnell zu dem
Schluffe eines ^uto-äu-ko.
Während der Gefangene auf dem festen Schlosse Marien-
berg verwahrt wurde, kamen die Gewalthaufen der Wallfahrer
an. Ein Bauer forderte sie zum Zuge auf, den Propheten zu
befreien. Die oben genannten Edelleute stellten sich gegen
Abend des 13ten Juli an die Spitze des auf 12,000 Mann an-
geschwollenen Hausens und zogen gegen Wirzbwrg. Nachts
um zwei Uhr wurde der Bischof durch Kundschafter gewarnt und
ließ sofort das Schloß in wehrhaften Stand setzen; gegen fünf
Uhr des Morgens kamen die Hellen Haufen heran.
Der die Empörer abmahnende Hofmarschall Georg von
Gebsattel, genannt Rack, welcher die Unzulässigkeit der Befreiung
des „Jünglings" darthat, wurde mit Steinwürfen von dannen

10) Der Wirzburgische Ratb vr. Kilian v. Bibra an R. Haller von
Nürnberg und der Domherr v. Giech, auch Bischof Rudolf v. Wtrzburg (an
den Grafen Johannn v. Wertheim) melden nichts von letzterem; es ist aber
nach der Gewohnheit des Landvolks ganz wahrscheinlich.
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