Verein für Badische Ortsbeschreibung [Editor]
Badenia oder das badische Land und Volk: eine Zeitschr. zur Verbreitung d. histor., topograph. u. statist. Kenntniß d. Großherzogthums ; eine Zeitschrift des Vereines für Badische Ortsbeschreibung — 1.1859

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welche die Badener Kapuziner aufgegeben, zwei weitere Geistliche
aufzunehmen, wonach dasfelbe alfo acht Mönche, einen Vorstand
und einen Laienbruder zälte.
Im Jahre 1757 aber brachten es die Fremersberger
am baden-badischen Hofe und auf der Ordensversammlung zu
Augstburg dahin, daß ihr Quardianat wieder hergestellt und
ihr seit 1689 unterbrochener Klosterbau fortgesetzt wurde, wobei
der neue Quardian K. Niederer den Markgrafen bittlich an-
gieng, „darauf gnädigst reflectieren zu wollen, daß bei dem Baue
nichts Magnifiques, Ansehnliches, Sumptuoses, Kostbares oder
Überflüssiges angebracht werde."
Was noch vom alten Kloster vorhanden war, wurde gänz-
lich abgebrochen und der Neubau 1760 vollendet —- in der
Gestalt, wie das Hauptgebäude noch auf unsere Zeit gekommen.
Das folgende Jahr aber hatten die guten Patres den Hingang
des Markgrafen Ludwig Georg, ihres vierten Stifters und
größten Begünstigers, zu beklagen, bei dessen feierlichem Begräb-
nisse ihnen die Gnade gegönnt war, mit ihrem Kreuze den Ba-
dener Kapuzinern voranzugehen.
Der neue Landesherr, Markgraf August Georg, ahmte
seinem Vater in der Gunst gegen die Fremersberger getreulich
nach. Nicht nur wurden die nöthigen Baureparaturen stets von
der Herrschaft bestritten, sondern es fügte dieselbe zu dem alten
Almosen auch noch ein jährliches Wein- oder Mostgeschenk,
was den guten Mönchen besonders lieb und Werth war.
Lächelnd liest man unter 1767 in ihren Jahrbüchern einge-
tragen: „Nach der Wiederherstellung seiner Gesundheit beschenkte
uns der Herr Markgraf für unsere Gebete auf's gnädigste mit
einem Weinalmosen. Wir bekamen eine halbe Fuhr edleren
Weines als Geschenk, und jene für ein angekauftes Quantum
noch schuldigen 72 Gulden wurden uns nachgelassen. Gott der
Herr erhalte 86l-6vi88imo ein langes Leben."
Die herrschaftlichen Almosen verwandelten sich endlich in
eine regelmäßige Competenz an Früchten, Wein und Holz,
welche den Fremersberger Franziskanern bis zur Auflösung ihres
Klosters gereicht ward. Dieselben prosperierten fortwährend, wenn
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