Verein für Badische Ortsbeschreibung [Editor]
Badenia oder das badische Land und Volk: eine Zeitschr. zur Verbreitung d. histor., topograph. u. statist. Kenntniß d. Großherzogthums ; eine Zeitschrift des Vereines für Badische Ortsbeschreibung — 1.1859

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„Sind wir Bürger des römischen Reichs nicht zu beklagen?
Wir haben uns auf unsere Land es fürst en verlassen, als die
Franzosen unter dem Vorwand über den Rhein gegangen,
uns von deren Tyrannei und Bedrohungen zu befreien; aber die
Fürsten flüchteten sich und machten mit dem Feind Verträge,
die doch keiner halten kann. Wir werden noch alle betteln müs-
sen, und wem haben wir das Unglück zu danken, als unseren
Landesherren, weil sie sich geweigert, das Oberhaupt des
Reichs zu unterstützen! Mitbürger, wollen wir uns in Unthä-
tigkeit die Haut über die Ohren ziehen lassen? Es bleibt uns
nichts übrig, als Gewalt mit Gewalt zu vertreiben. Ein allge-
meiner Auf st and ist unsere Rettung. Bürger, fordert alle
Ortsgemeinden auf zur Gegenwehr gegen die Franzosen unterm
Schutz der kaiserlichen Armee"!
Unterzeichnet ist dies Aktenstück: „Ein getreuer Bürger des
h. r. Reichs", und überschrieben: „In jedem Dorf abgeschrie-
ben zweimal und links und rechts geschickt in größter Eile, auch
zu Pferd." Vermuthlich wohnte der „getreue Bürger" zu Ra-
statt, wo noch manches'wackere Herz freudig des Augenblicks
harrte, da die erzherzoglichen Scharen anrücken würden.
Die badischen Behörden aber waren noch zu sehr durch die
französischen Drohungen eingeschüchtert, als daß sie nicht hätten
ab mahnen sollen. Ans der Residenz erging an „die etwa durch
die österreichische Vorpostenkette von der Communication mit Karls-
ruhe abgeschnitten werdenden Aemtcr" die Weisung, „Sorge zu
tragen, daß in denen den französischen Truppen noch nicht ent-
zogenen Orten den bekannten Bedingungen des Waffenstill-
standes nach wie vor gebührend nachgelebt werde; besonders
aber sei den Unterthanen durch die Ortsvorgesetzten und andere
schicklich erachtete Gelegenheiten, jedoch nur mündlich und ohne
Veranlassung irgend welcher Nachdenken erregender Ver-
sammlung bekannt zu machen, daß wenn in ihren Gegenden
Rencontres von beiderseitigen Truppen sich ereigneten, sie sich
durchgängig neutral verhalten sollen."
Diese drei Manifeste, wie sie hier neben einander stehen,
kennzeichnen die Lage der Dinge trefflich. Ein Commentar
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