Verein für Badische Ortsbeschreibung [Editor]
Badenia oder das badische Land und Volk: eine Zeitschr. zur Verbreitung d. histor., topograph. u. statist. Kenntniß d. Großherzogthums ; eine Zeitschrift des Vereines für Badische Ortsbeschreibung — 1.1859

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geordnet; Patrouillen holten den Hofkanzler Wolf und den
Stadtfchultheißen Löbel aus ihren HLufern. Sie sollten den
Franzosen als Geiseln dienen.
Die Nacht hatte schon begonnen, als der lange Zug mit
seiner dünngesäeten Escorte die Stadt auf der großen Heerstraße
verließ. Kaum hatte er sich ganz entfaltet, kaum war seine
Spitze dahin gekommen, wo der kapellengekrönte Michelsberg
seine dunkle Masse dicht an die Straße heranschiebt, da blitzte
es rechts und links auf von Flintenschüssen, zwischen deren Knat-
tern auch der Baß von Feldgeschütz sich hören ließ
Die französische Vorhut hielt sich brav, aber durchdringen
konnte sie nicht. Der Feind stand zu dicht am Eingänge von
Untergrombach. Die Lage war verzweifelt. Da riß der Ad-
jutant des Generals Scherb sich und die Seinen aus der Noth.
Er nahm eine kleine Schar zusammen, umging in der dunkeln
Nacht den Michelsberg, brach durch Untergrombach hindurch
und kam denen, die dort fochten, in den Rücken.
Nun gab's Raum für Sch erb's Colonne zum Weiter-
marsch; denn die Masse der zur Sperrung der Straße bei Un-
tergrombach bestimmten Truppen stand noch zurück im Thale
bei Heidelsheim. Es war aber dennoch ein schlimmer, rast-
loser Zug. Ueber 3000-Bauern hatten sich schon den Kaiser-
lichen angeschlossen. Als der Tag graute, sah Scherb bei
Weingarten abermals den Weg verlegt; wohl schlug er sich
durch, jedoch mit wenig Hoffnung ferneren Gelingens.
Er gedachte über Karlsruhe und Mühlburg die Rhein-
straße zu gewinnen. Aber kaum zog seine Vorhut in der Höhe
von Gottesau, so scholl ihm Kanonen- und Gewehrfeuer von
der Westseite entgegen. Der geringen französischen Schaar, welche
sich dort, am Mühlburger Thore, schlug, sandte er Hilfe, und
gewann so viel Zeit, über Rüppurr in die Ettlinger Straße ab-
zubiegen, während die Oesterreicher drüben bei Mühlburg zu
seinem Empfange bereit standen.

33) Remling, Gesch. d. Bisch, v. Speier, ll, S. 194. Vgl. Grunds,
der Strategie, Hl, S. 198.
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