Verein für Badische Ortsbeschreibung [Editor]
Badenia oder das badische Land und Volk: eine Zeitschr. zur Verbreitung d. histor., topograph. u. statist. Kenntniß d. Großherzogthums ; eine Zeitschrift des Vereines für Badische Ortsbeschreibung — 1.1859

Page: 600
DOI issue: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/badenia1859/0618
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
600 —

chen zu dringen, setzte General Siseä sich an die Spitze der
wackern Infanterie und durchwatete die Kinzig.
Ein heftiges Feuer sprühte von dem bereits genommenen
Fort aus ihm entgegen. Aber dennoch umging er dasselbe und
drang zwischen dessen Wällen und dem Rhein bis zur Brücke
vor. Dreimal stürmte er gegen das Städtchen an, dreimal
wurde er von heftigem Flintenfeuer und durch die Kartätschen
von vier Feldstücken in der Hauptstraße zurückgeworfen.
Aber um 7 Uhr wendete sich das Glück. Major Dallos
war tödtlich verwundet, ein vierter Angriff der unerschrockenen
Halbbrigade brachte den Oberstlieutenant Ocsay als Gefangenen
in ihre Hände und 200 Soldaten vom ungarischen Regiment
mit ihm. Jetzt kehrte auch dem zuerst geworfenen französischen
Bataillon der Muth wieder und schon dröhnte von der Brücke
der Sturmmarsch der von Straßburg anrückenden Verstärkung.
Der Kanonendonner von Kehl her und gleich drauf der Ge-
neralmarsch hatten dort alles wach gerufen. Aus den Zeug-
hausarbeitern war ein Bataillon gebildet worden, und dieses
zuerst marschfertig. Dicht hintendrein folgte eine tüchtige Co-
lonne der Nationalgard e: Grenadiere, Jäger und Artilleristen.
Die Straßburger Bürgerwehr ist immer eine tapfere begeisterungs-
fähige Truppe gewesen und Hai das an jenem Sonntagsmorgen
zu unserem bitteren Schaden bewiesen. General Schauenburg
war gerade auf Jnspection in Straßburg, er führte die Hilfs-
schar hinüber nach Kehl, während General Mo ulins mit der
Nationalgarde die Wälle der Stadt und Citadelle besetzt hielt.
Eine Viertelstunde noch und trotz aller Fehler des österrei-
chischen Militärs, trotz aller Tapferkeit der 68ten Halbbrigade,
wäre die Unterstützung von Straßburg doch zu spät gekommen,
wäre die Rheinbrückc in Stücken stromab geschwommen, wären
alle Franzosen verloren gewesen, welche am rechten Ufer so wacker
im Kampfe standen.

43) Sch erb wird nirgends genannt. Er kam auch nicht von Straßburg
herüber. Ich finde nm, daß er seiner Würde entsetzt wurde, obwohl Moreau ihn
wegen seines Rückzugs belobt hatte. Posselt, Ann. 1796, IV, S. 334.
loading ...