Verein für Badische Ortsbeschreibung [Editor]
Badenia oder das badische Land und Volk: eine Zeitschr. zur Verbreitung d. histor., topograph. u. statist. Kenntniß d. Großherzogthums ; eine Zeitschrift des Vereines für Badische Ortsbeschreibung — 2.1860-1862

Page: 4
DOI issue: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/badenia1860_1862/0018
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
- 4

Mt ähnlichen Erscheinungen anderwärts. Jedenfalls stunden die
Verschworenen des Benediktswäldch ens nicht vereinzelt da,
nicht ohne geheime Verbindungen nach Süden und Norden.

Der alte Bauernkrieg (1525) war ein Nothschrei des
dcutschen Landmanns gewesen, ein Schritt der Verzweiflung,
nachdem die vielfach veränderten Rechts- und Lebensverhält-
nisfe den Bauernftand in eine Bedrängniß von Steuerdruck,
von Schuldenlast und Rechtsbeirrung geftürzt, welche nicht mehr
länger erträglich schien.

Alle Zeichen der Zeit, alle Mahnungen tieser blickender
Köhfe hatten nichts gefruchtet. Da brach's auf den Schwarz-
waldhöhen los und griff weithin um sich, wie ein gewaltiges
Hochgewitter, welches alle LLnder des Reiches zu überziehen und
alle Pfafsen-, Fürsten- und Adelssitze zn vernichten drohte.

Das war ein Fingerzeig des Himmels; aber die Herren und
Obrigkeiten achteten seiner nicht. Sie wollten nichts gelernt
haben und unterdrückten das Uebel, anstatt es zu heilen. Sie
fuhren sort, die Volksrechte mit List und Gewalt zu beseitigen,
die Steuern und Frondienste vertragswidrig zu vermehren und
den Unterthan wie eine willenlose Sache zu behandeln H.

Der alte patriarchalische Staat hatte aufgehört; es waren
große Monarchien entstanden mit concentrierter Regierungs-

4) Jch führe nur ein Beispiel an. Der Truchsäß Christoph von
Waldbnrg zu Scherr, ein Velter des bekannten Banernbändigers Georg,
„vergaß das Amt einer christ-väterlichen Oberkeit nnd sich selber mit seinen
kriegcrischen Gewaltthaten in Auflegung und Abdringung bisher nit er-
hörter Eidespflichten und Huldigungen, ungeziemlicher neuer Anlagen, Zinsen
nnd Frohndiensten, unerhört hoher Getdstrasen nnd dergleichen Mißbräuche."
Dergestalt brachte er seine znvor vermögliche Unterthanen in Armnth und an
deu Bettelstab. Da wurden sie 1d92 endlich schwierig nnd beriethen sich
nber Abhilfe ihrer Noth. Der Trnchsäß aber betrachtete das als „Rebel-
lion", fuhr soldatisch darein, setzte Mehr^re gefangen, verjagte die Jhrigen
aus dem Land und begieng eine Reihe der gröbsten Gewaltstreiche. Nun
steckten sich die Bedrängten in die Waffen und wollten nichts weiter mehr
gedulden. Die benachbarten Prälaten aber nähmen sich jetzt der Sache an,
worauf die Unterrhanen sich dann zur Ruhe erboten. Pfullendorfer Akten
von 1592 bis 1600.
loading ...