Verein für Badische Ortsbeschreibung [Editor]
Badenia oder das badische Land und Volk: eine Zeitschr. zur Verbreitung d. histor., topograph. u. statist. Kenntniß d. Großherzogthums ; eine Zeitschrift des Vereines für Badische Ortsbeschreibung — 2.1860-1862

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bietet. Zuerst trete der historische Ernst auf, nämlich Ernst II,
Herzog von Schwaben "). Wir lassen aber der Erzahlmrg breiten
Raum, damit sie sich zum runden Ganzen entfalten könne, über
das Bedürfniß unseres Zweckes der Vergleichung hinaus.

Das sächsische Kaiserhaus war mit Heinrich !l zu Grabe
gegangen '^). Auf dem Wahlfeld zu Camba am Rhein war von
den zwei fränkischen Konraden der Aeltere, „der von Speier",
zum Könige gekürt worden, und der Jüngere, sein Vetter, hatte
sreudig zugestimmt, denn eine einflußreiche Zukunft war ihm
zugesichert durch diese Wahl.

Im alten Stammlande der Franken stand Konrads I
Wiege. Dort saß er auf echtem Alod, keines andern Mann.
Sein Vater rühmte fich der Abkunft von den alten Franken-
herzogen und von Konrad dem Rothen, dem ruhmreichsten
Kämpen der Ottonenzeit. Seine Mutter Adclheid stammte
aus dem alten elfäßifck)L>r Grafenhause, welches sich nach seinem
Sitze von Egisheim nannte.

„Freigebig war er, heitern, festen, unerfchrockenen Sinns,
freundlich mit den Guten, streng mit den Böfen, bitter hart
gegen feine Feinde, thatkräftig, wo er Etwas anfaßte, uner-
müdlich in allen Gefchäften" '°). Seine Gattin war seit 1016
Gifela, herstammend aus der Ehe des Schwabenherzogs Her-
mann nnt der Königstochter Gerberg von Burgund. Diefe

13) Man hat unter dem von der Sage gcfllerten Herzog Ernst wohl
schon jenen in Huä. I' u l ä. anu., 6. !, 374, und inUiueinsri ckrou.,
!>!. 6. I, 455, erwahnten äux Lrnu8tu8 verstehen wollen, welcher 861 vonr
deutschen Kön. Lndwig seincs Amtes entsetzt wurde, weil er seinen Schwie-
gersohn h?), des Königs Sohn, Karlmann, in seiner Empörung gegen
d'en Vater unterstützte. Gsrörer, Gesch. d. Karol. I, 314. Hicrmit ist die
weitere Nachricht der nnn. k'ulä. zum I. 865 verbnnden worden, wonach
Ludwig den sränkischen Grasen Werner wegen Hochverraths bestraft.
(Ebenda, S. 420). Schwerlich aber stammt irgend ein Zug unser er Sage
aus jenen Zeiten des karotingischen Bruderzwistes.

14) Diesem helldenkenden, thatkräftigen Fürsten ist erst in neuester Zeit
sein Recht wiedersahren. Giesebrecht's treffliche Geschichte der deutschen
Kaiserzeit möchte ich jeder deutschen Hausbibliothek zur Zierde wünschen.

,15) Wippo, Konrads Seeretär, ist Hauptquelle des Fvlgenden.
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